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Rechtsextremistische Musikszene

Die Musik sowie die Szene-Konzerte sind unverändert ein wichtiges Kommunikationsmittel und liefern eine identitätsstiftende Basis der rechtsextremistischen Szene. Gemeinsame Konzertbesuche stärken das Gemeinschaftsgefühl und tragen dazu bei, dass Kontakte zwischen den verschiedenen regionalen Szenen geknüpft und aufrechterhalten werden. Nicht zuletzt spielen kommerzielle Gesichtspunkte bei der Veranstaltung von Konzerten und vor allem bei den Szene-Vertrieben eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die rechtsextremistische subkulturelle Szene bevorzugt Musikstilrichtungen wie „R.A.C.“[1] und „Hardcore“[2] bzw. „Hatecore“[3]. Diese sind geprägt von aggressiven Texten und zumeist hämmernden Rhythmen. In den Liedern werden Rassismus und Gewalt propagiert, das NS-Regime verherrlicht und der Kampf gegen das dort verhasste demokratische System beschrieben. In den Texten wird zum Teil auch einem Germanen- und Wikingerkult gehuldigt. Politische Inhalte werden im Balladenstil vorgetragen. Eine in der Szene beliebte Musikstilrichtung ist der sog. „NSBM“[4]. Diese von der Black-Metal-Musik abgeleitete Stilrichtung bezieht sich in ihrer Ausrichtung auf den historischen Nationalsozialismus.

Die rechtsextremistische Musikszene zeigte sich auch im Berichtsjahr im Freistaat Sachsen sehr aktiv. Insgesamt 24 Konzertveranstaltungen, 22 Liederabende und 27 Veranstaltungen mit Musikbegleitung wurden bekannt. Der Trend, neben der Durchführung von klassischen, konspirativ organisierten und kleineren Konzertveranstaltungen auch Großveranstaltungen mit Festivalcharakter zu organisieren, setzte sich fort. Mittels Mischveranstaltungen, deren Programm sich aus verschiedenen Komponenten, wie politischen Kundgebungen, Kampfsport, Tattoo-Convention oder Verkaufsständen, zusammensetzte, waren die Veranstalter bemüht, ein großes Teilnehmerspektrum zu erreichen, konnten allerdings nicht mehr an die Zahlen aus dem Vorjahr anknüpfen[5].

[1] „Rock against Communism“ - Rock gegen Kommunismus                

[2] US-amerikanische Weiterentwicklung der „Punk“-Musik – im Stil schnell und hart.

[3] wie „Hardcore“, jedoch mit härteren, hasserfüllten Texten. Der Begriff „Hatecore“ war ursprünglich nicht rechtsexextremistisch ausgerichtet, wird aber mittlerweile in erster Linie von rechtsextremistischen Bands besetzt.

[4] „NSBM“ steht für NS-Black Metal und bezeichnet den Teil der Metal-Szene, der sich in seiner Musik und seiner Ausrichtung auf den historischen Nationalsozialismus bezieht.

[5] 2019 bis zu 700 Teilnehmer, 2018 bis zu 1.300 Teilnehmer

Durchgeführte rechtsextremistische Konzerte in Sachsen

Grafische Darstellung durchgeführter rechtsextremistischer Konzerte in Sachsen als Balkendiagramm

Für die Durchführung rechtsextremistischer Konzerte spielt das Vorhandensein von Veranstaltungsobjekten eine entscheidende Rolle. Wie bereits in den Vorjahren konzentrierte sich das Veranstaltungsgeschehen auch im Berichtsjahr auf das seit 2008 einschlägig genutzte Objekt in Torgau, OT Staupitz (Lkr. Nordsachsen) mit einer Raumkapazität von etwa 230 Personen. Dort sind aufgrund behördlicher Nutzungsbeschränkungen maximal zehn Veranstaltungen im Kalenderjahr zulässig. Diese Obergrenze nutzt die Szene seit Jahren stets aus.

Daneben nutzen die Veranstalter rechtsextremistischer Konzerte seit einiger Zeit auch ein Objekt in Bad Gottleuba-Berggießhübel, Ortsteil Langenhennersdorf (Lkr. Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), welches Platz bis zu 150 Personen bietet. Dort fanden 2019 mehrere rechtsextremistische Konzerte statt. Die rechtsextremistische Szene wird dieses Objekt in Zukunft noch intensiver nutzen.

Häufig fanden auch im Objekt der Brigade 8 in Mücka (Lkr. Görlitz) Musikveranstaltungen statt. Aufgrund der Prüfung durch die örtlichen Behörden und der folgenden Erteilung von Auflagen kam es ab Ende 2019 zu einer nachlassenden Nutzung dieses Objektes.

Durchschnittliche Teilnehmerzahl je Konzert

Grafische Darstellung der durchschnittlichen Teilnehmerzahl je Konzert als Balkendiagramm

Im Vergleich zum Vorjahr ist die durchschnittliche Teilnehmerzahl wieder etwas gesunken. Dies ist auf den Teilnehmerrückgang bei den im Freistaat Sachsen durchgeführten Großveranstaltungen zurückzuführen. Auch im Berichtsjahr versuchte der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Thorsten HEISE (Thüringen), die Liegenschaft des Hotels „Neißeblick“ in Ostritz (Lkr. Görlitz) gezielt für Konzert- und Mischveranstaltungen zu nutzen und dadurch zum Anziehungspunkt für eine große Zahl an Rechtsextremisten zu machen. Dort organisierte er am 23. März eine Konzertveranstaltung und engagierte rechtsextremistische Musikgruppen aus dem Ausland sowie aus anderen Bundesländern für Auftritte im Rahmen des „Schild- und Schwert-Festivals“ am 21. und 22. Juni. HEISE musste dabei zur Kenntnis nehmen, dass die hohe Teilnehmerzahl des Vorjahres (1.300 Personen) nicht über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann (2019 noch 700). Neben ungünstigen Veranstaltungsbedingungen – wie z. B. das konsequent durchgesetzte behördliche Alkoholverbot – dürfte auch eine gewisse Übersättigung durch Parallelveranstaltungen den Rückgang bewirkt haben.

Ein hoher Anteil von Musikveranstaltungen fand im Berichtsjahr in kleinerem Rahmen statt. So wurden durch regionale rechtsextremistische Strukturen bzw. Aktivisten kleinere Liederabende organisiert, auf denen Bandmitglieder als Solointerpreten oder Liedermacher auftraten. Auch werden parteieigene Veranstaltungen, wie z. B. der Partei NPD oder Der Dritte Weg, oft mit einem musikalischen Begleitprogramm versehen.

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Bereits der frühere Gründungsname der Band Blutzeugen („Aktion Reinhardt“[1]) weist auf eine Verbundenheit mit dem historischen Nationalsozialismus hin. Die Musikgruppe beteiligte sich in der Vergangenheit an rechtsextremistischen Konzerten, wie z. B. 2017 in Themar (TH) mit rund 6.000 Teilnehmern. Mitglieder dieser Band sind auch in anderen rechtsextremistischen Musikgruppen aktiv. 

Die CD „Blutzeugen“ wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) im Jahr 2011 indiziert und auf die „Liste B“[2] gesetzt. Der Inhalt dieser CD reize zum Rassenhass an und stelle einen Aufruf dar, die Idee und die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland neu entstehen zu lassen. Dies wird durch die Cover-Gestaltung bekräftigt, welche Bilder u. a. von der Eingangshalle der neuen Reichskanzlei, von Wehrmachtssoldaten oder von einer Kranzniederlegung an der Feldherrenhalle enthält. Eine Skizze auf dem Inlay zeigt die Abbildung eines Soldaten mit der Überschrift „Ihr Opfer soll uns mahnen“. 

Der Titel „Einmarsch“ enthält nach einer Originalaufnahme des „Großdeutschen Rundfunks“ einen antisemitischen Redeauszug aus einem im Jahr 1936 erstellten Kurzfilm:

„Nach dem Kriege ergossen sich die Heuschreckenschwärme über das deutsche Land. Sie trugen ihren zersetzenden Einfluss in die Kreise des deutschen Handels. Aber keineswegs nur in den Handel trugen sie ihren raffenden Geist. Sie vergewaltigten auch die deutsche Kultur, sie zersetzten die Literatur, nisteten sich im Theaterwesen ein, verunstalteten die Wissenschaft an den Hochschulen, verunglimpften die deutsche Kunst, machten sich die deutsche Presse hörig, zerstörten das deutsche Rechtsleben und vernichteten unsere Ehrauffassung, vergifteten den Geist der deutschen Wirtschaft, schufen das Glücksrittertum in der Industrie, beuteten den Bauer und Arbeiter aus und würdigten den deutschen Handel herab. Auf allen Lebensgebieten des deutschen Volkes zerschlugen sie überall die Sitte und das deutsche Wesen durch ihren raffenden, spekulationslüsternen Geist der Verantwortungslosigkeit.“ 

(Anm.: Im Originaltext heißt es „Heuschreckenschwärme der Ostjuden“.)

Bewusst und in Kenntnis der Strafbarkeit hat die Band die Worte „der Ostjuden“ weggelassen. In Verbindung mit Textpassagen des Liedes „Der Krieg beginnt“ wird deutlich, dass die Zielrichtung des Textes der Gegenwart angepasst wurde und sich nunmehr gegen Ausländer richtet:

„Ein System gegründet auf einem Fundament aus Lügen und Verrat. Ihr einziges Ziel: Die Vernichtung unserer Art! (…) Man fürchtet ihn, den deutschen Geist, der uns einst führt zum Sieg. So wird seit ’45 schon ihr Racheplan verfolgt. Umerziehung, Überfremdung – der Genozid am deutschen Volk.“

Im Lied „Ein Volk, ein Weg“ wird der Nationalsozialismus verherrlicht:

„Was unsere Väter hier einst schufen, das stand auf der Welt allein. Ein Volk, ein Reich, ein Wille! So sollte es auf ewig sein. Tausend Jahre sollte es die Zeiten überdauern, doch sah man in der Finsternis nicht die dunklen Mächte lauern. Sie trieben die Völker in den Krieg durch Lüge, Täuschung und Intrigen. (…) So hetzte man gegen Deutschland – Kontinent für Kontinent. Dieser Krieg sollte erst beendet sein, wenn das Herz Europas brennt.“

Im Refrain aber heißt es: „Das Reich erwacht! Der Sturm entfacht! Ein Volk, ein Weg, wie früher. Das Tor in eine neue Zeit – Wir stehen bereit!“ Die wiederholte Verwendung der Formulierung „Ein Volk, ein Reich (…)“ spielt augenfällig auf die NS-Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ an und verdeutlicht die Glorifizierung dieser geschichtlichen Epoche.

In den Texten des 2018 herausgegebenen Tonträgers „Ewige Wache“ sind mehrfach Bezüge zum Nationalsozialismus enthalten. Im Titel „Ewige Wache“ bringt die Band ihr Gedenken an diejenigen zum Ausdruck, welche „im Felde geblieben [sind] oder in Nürnberg aufgehangen“ wurden und nimmt damit positiv Bezug auf die in Nürnberg verurteilten NS-Kriegsverbrecher. Das dritte Lied „Geheuchelte Humanität“ handelt vom Hitler-Stellvertreter Rudolf HESS und ist eine Cover-Version einer anderen rechtsextremistischen Band.

 

[1] Unter der Tarnbezeichnung „Aktion Reinhardt“ verbarg sich in der NS-Zeit die systematische Vernichtung der Juden und Roma im deutsch besetzten Polen und der Ukraine.

[2] Hier werden die Medien aufgelistet, die nach Auffassung der BPjM sowohl jugendgefährdend sind, als auch einen strafrechtlich relevanten Inhalt haben. Sie unterliegen einem allgemeinen, d. h. für jedermann geltenden Verbreitungsverbot.

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Bei Brainwash (übersetzt: Gehirnwäsche) handelt es sich ursprünglich um ein sächsisch-thüringisches Gemeinschaftsprojekt, welches sich mittlerweile nach Sachsen verlagert hat. Mitglieder dieser Band sind auch in anderen rechtsextremistischen Musikgruppen aktiv. Die rechtsextremistische Ausrichtung dieser Musikgruppe wird in den überwiegend englischsprachigen Liedtexten deutlich.

Der 2015 herausgegebene und von der BPjM indizierte Tonträger „Save our kind, defend Europe“ (übersetzt: „Schütze unsere Art, verteidige Europa“) enthält u. a. Liedtexte, die  verrohend wirken, entsprechend wird in den Liedtexten von „Outline on the street“ sowie „My Dreamland“ die Vorherrschaft einer „weißen Rasse“ verherrlicht und ein „Schmelztiegel der Kulturen“ abgelehnt. Die Interpreten rufen auf, für den Erhalt der weißen Kultur zu kämpfen und sich an denjenigen zu rächen, die Arier getötet haben. 

Das Lied „Outline on the street“ ist eine Cover-Version des Werks einer anderen Band, die bereits früher Gegenstand eines Indizierungsverfahrens war. Im Lied wird zu Hass und Rache wegen eines getöteten sog. „Ariers“ aufgerufen:

„Hate! Revenge! Hate! Revenge! (…) Another Aryan dead again (…) Revenge! Revenge! We’ll get revenge! (…) Justice must be served. If you don’t stand with me, I have nothing for you! Revenge!”   

(„Hass! Rache! Hass! Rache! (…) Ein weiterer Arier ist tot (…) Rache! Rache! Wir bekommen Rache!  (…) Der Gerechtigkeit muss gedient werden. Wenn du nicht zu mir stehst, so habe ich nichts für dich!  Rache!“).   

Auch das Lied „My Dreamland“ ist eine Cover-Version eines Werks der zuvor genannten Band, die früher Gegenstand eines Indizierungsverfahrens war. Im Titel wird ein von der Band ersehntes Traumland beschrieben, in dem nur weiße Menschen leben, welche sauber und rein seien. Die Interpreten rufen dazu auf, für das weiße Land und den Erhalt der weißen Kultur zu kämpfen. In einigen Textpassagen wird die nationalsozialistische Parole „Heil“ in englischer Sprache „Hail“ gesungen. 

„Walking and dreaming of a distant land, where proud white people stand hand in hand. (…) In this land, the pride is felt, never will there be another pot to melt. A land so clean, so pure, so white (…) Are you ready, to fight? (…) Our culture that’s been buried, now rises above. We will fight and fight them hard. (…) The land in mind is made from green and white, white for the man and green for the might.  (…) We must fight to preserve what we have now, never give to it up (…) Oh Hail! Oh Hail! Oh Hail!” 

(„Ich gehe und träume von einem fernen Land, wo stolze weiße Menschen Hand in Hand stehen. (…)  In diesem Land wird der Stolz gefühlt. Niemals wird es wieder einen Schmelztiegel geben. Ein Land so sauber, so rein, so weiß. (…) Bist Du bereit, zu kämpfen? (…) Unsere Kultur, die einst begraben wurde, erhebt sich nun. Wir werden kämpfen und kämpfen hart. (…) Das Land in meinem Kopf ist grün und weiß. Weiß für den Menschen und grün für die Macht. (…) Wir müssen kämpfen, um zu bewahren, was wir jetzt haben, gib es niemals auf (…) Oh Heil! Oh Heil! Oh Heil!“).

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Der Liedermacher FreilichFrei spielt regelmäßig in Sachsen sowie in den umliegenden Bundesländern auf Veranstaltungen von Rechtsextremisten bzw. von rechtsextremistischen Organisationen wie der NPD oder der JN. Im Dezember 2019 verkündete er, dass ein Auftritt erstmalig als Band stattfand. Wegen seines Albums „Ehrbare Kämpfe“ ermittelte 2015 die Polizei gegen ihn, denn auf dem Tonträger wird im Lied „Das Haus wird abgerissen“ offensichtlich auf die Mitglieder des NSU positiv Bezug genommen: „Ein Haus halb explodiert, eine Frau war’s eine Neonazifrau, und weil die Frau für uns alle Vorbild ist, Wallfähren wir die nächsten Jahre zu dem Haus. (…) Die Frau und ihre beiden Männer, die ich hier selbstzensierender Weise nicht nennen will. Obwohl sie super zusammenpassende Namen haben, sind die größten unserer Zunft.“

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Der Liedermacher Handschu war vor 2015 in Brandenburg aktiv und dort Mitglied einer rechtsextremistischen Band  aus Cottbus. Er hat seit seinem Umzug nach Sachsen im Jahr 2015 einen Bezug zur Brigade 8. An deren Veranstaltungen beteiligte er sich mit Auftritten. Darüber hinaus war Handschu auch beteiligt an dem vom nicht mehr aktiven Liedermacher Oiram im Jahr 2015 herausgegebenen Album „Rebellenlieder“, welches im Jahr 2015 von der BPjM wegen der Verherrlichung des Nationalsozialismus und dem erkennbaren Wunsch nach auch gewaltsamer Wiedererrichtung des sog. „Dritten Reiches“ indiziert wurde.

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Die Band gab im Jahr 2017 den Tonträger „Demo“ heraus, der Bezüge auf die Zeit des Nationalsozialismus aufweist. So wird das Intro des Tonträgers von Worten des Hitler-Stellvertreters Rudolf HESS anlässlich der Nürnberger-Prozesse gegen die NS-Kriegsverbrecher begleitet. Auch der auf dem Cover der CD verwendete Schriftzug des Namens der Band mit den hervorgehobenen Buchstaben „H“ und „J“ (früher eine Abkürzung der „Hitler-Jugend“) sowie die Abbildung eines Mannes, der den Arm zum sog. Hitler-Gruß erhebt, weist Assoziationen zum Nationalsozialismus auf. Im Titel „Alte Werte, neue Treue“ wird mit Passagen wie „Braun sind die Hemden und rot ist das Blut“ sowie „Kämpfer fürs Neue, fürs Großdeutsche Reich, schwinget die Schwerter zum letzten Streich“ der Nationalsozialismus verherrlicht und zur Erreichung dieses Ziels zur Gewalt aufgerufen. Auch im Titel „Diese feigen Ratten werden bezahlen“ verdeutlicht die Band mit der Ankündigung „Volksverräter“ an den Galgen bringen zu wollen, ihren Bezug zur Gewalt: „Deutschland stehe auf und wehre dich. Gegen all die Volksverräter wird der Widerstand zur Pflicht. Deutschland, die Fahnen hoch für dich, steht auf, ihr treuen Kämpfer, sie brechen uns nicht. Mit Schuldkult, Hetze und ihren Lügen, wollen Schreibtischtäter unser Volk betrügen. Eines Tages werden wir euch an den Galgen kriegen, eure Schuldpropaganda wird niemals siegen.“ Durch die Worte „Schuldpropaganda“ und „Schuldkult“ wird letztlich die Aufarbeitung der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert infrage gestellt. Es entsteht der Eindruck, als könne dem nur mit Gewaltanwendung gegen die dafür verantwortlichen Personen, den besungenen „Schreibtischtätern“, begegnet werden.

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Im Jahr 2017 spielte die Band vor ca. 1.000 Besuchern auf einem rechtsextremistischen Konzert in Frankreich. Auch im Berichtsjahr wurde die Band für eine rechtsextremistische Konzertveranstaltung in Frankreich angekündigt.

Der im Jahr 2016 von der Band herausgegebene Tonträger „Treue um Treue, Blut um Blut“ enthält Liedtexte, welche die NS-Ideologie verherrlichen. sowie homosexuelle Menschen diskriminieren. In dem Titel „Von Natur aus“ heißt es: „Bei uns gibt‘s auch kein HIV. Ist das nicht positiv? Geht der Schuß auch mal nach hinten los, ist es bei mir nur halb so mies. Als bei Tunten, Hinterladern und den Voll-Schwuletten, die dann die ganze Scheiße an der Stange hätten.“ Im Lied „Our Honour“ spielen die Worte „Our honour is our loyalty“ (Unsere Ehre ist unsere Treue) auf den SS-Leitspruch „Meine Ehre heißt Treue“ an. Eine weitere Textzeile lautet: „The black sun is the symbol of power which gives us strength even in darkest hours“ (Die schwarze Sonne[1] ist das Symbol der Macht, die uns auch in dunkelsten Stunden Kraft gibt).

 

[1] Die schwarze Sonne ist ein nationalsozialistisches Symbol, welches im ehemaligen SS- Obergruppenführersaal in der Wevelsburg (NRW) angebracht wurde. Es wurde in der neonationalsozialistischen Szene nach 1945 als Ersatz für das in Deutschland verbotene Hakenkreuz verwendet.

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Der 2014 erschienene und indizierte Tonträger „Jetzt sind wir da“ enthält Texte, die nach Ansicht der BPjM teilweise verrohend wirken, fremdenfeindlich und antisemitisch sind sowie zum Rassenhass und zu Gewalttätigkeiten anreizen. Inhaltlich richtet sich der Titel „Dass die Sonne wieder scheint“ gegen Menschen jüdischen Glaubens. Dies wird insbesondere durch die Frage „Wer mordet im Palästinagebiet?“ und die Antwort der Interpreten auf diese Frage deutlich: „Ich kenne diese Lumpen. Ich kenne die Antwort auf die Fragen. Nur leider darf, ja darf ich sie in dieser BRD nicht sagen.“ In eindeutiger Anspielung auf den aktuellen Nahostkonflikt zwischen den Palästinensern auf der einen Seite und den Israelis, welche größtenteils der jüdischen Religion angehören, auf der anderen Seite, erscheint die Antwort im Gesamtkontext der CD-Inhalte sowie aufgrund der Anmerkung, die Antwort in der Bundesrepublik nicht laut äußern zu dürfen, offensichtlich antisemitisch. Dabei handelt es sich um ein für Rechtsextremisten typisches Vorgehen (sog. „dogwhistle“), bei dem mit Verweis auf angebliche Verbote nach § 130 StGB keine explizit den Holocaust infrage stellenden Äußerungen getätigt werden. Im weiteren Text dieses Titels bezeichnet die Band die o. g. Bevölkerungsgruppe als „Völkerfeind“, der untergehen soll, so „dass die Sonne wieder scheint“: „Was wird uns morgen noch erwarten? Hört ihr nicht, wie Deutschland weint? Der Völkerfeind soll untergehen, dass die Sonne wieder scheint! Dass sie wieder für uns scheint.“ Andere Texte enthalten Aufrufe zur Gewalt gegen Ausländer. Im Lied „Warum“ werden Ausländer pauschal als kriminelle Täter beschrieben, die deutsche Frauen vergewaltigten und zu „abgrundtiefe(m) Hass auf Deutsche“ neigten: „Vergewaltigung an deutschen Frauen, von Kindern ganz zu schweigen. Abgrundtiefer Hass auf Deutsche, wozu sie neigen. Eine Vielzahl Krimineller belagern unser Land. Brecht das Schweigen, denkt jetzt nach! Ihr habt es in der Hand. Mit brutalster Art und Weise geh’n sie gegen Deutsche vor. Doch drehen wir den Spieß einfach mal rum, wirst du hingestellt als Fremdenhasser, was du nicht mal bist.  (…) Bevor ihr endlich auf die Stimmen erhebt als Chor, geht endlich auf die Straßen. Vereint euch, dann ist klar: Deutschland soll wieder sauber werden von krimineller Ausländerschar!“ Auch im Titel „Wir sind bereit“ – eine Cover-Version des Werks einer anderen Band, die früher von der BPjM indizierungsrelevant eingestuft wurde – und im Lied „Wir sind wieder da“ wird zur Anwendung von Gewalt gegen das gegenwärtige politische System aufgerufen: „Hier kommt eine geballte Ladung Hass mitten in die Fresse des Systems. Widerstand auf eine andere Art. Unsere Lieder knüppelhart. Jetzt kommt geballte Ladung Hass und bevor ich es vergesse, will ich euch noch etwas sagen: Lasst uns kämpfen und nicht klagen! Jetzt sind wir da!!! (…) Der Kampf um unser Land ist unser aller Pflicht, unsere Pflicht. (…) Steh endlich auf! Erhebe deine Faust! Zeig ihnen, wer du bist! Mit dem Rücken an der Wand, stehen wir Hand in Hand. Unsere Fahne weht und wir leisten Widerstand. Widerstand!!!“

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Die seit 2002 bestehende Ein-Mann-Band kann der NSBM-Szene zugerechnet werden. Bei Live-Auftritten tritt Leichenzug mit mehreren Musikern auf. Der Initiator dieser Band spielt zudem auch bei anderen rechtsextremistischen Musikgruppen.

In einem Interview im Jahr 2014 gab der Musiker an, dass er „Pagan-Metal“ mit deutschen Texten spielt und „hasserfüllte harte, aber melodische Musik“ erstelle. Tatsächlich sind die Musikstücke gewaltverherrlichend. Der 2010 herausgegebene Tonträger „Das letzte Gebet“ wurde von der BPjM indiziert, da er verrohend wirke, zu Gewalttätigkeiten anreize und kriegsverherrlichende Inhalte aufweise. Die Texte thematisieren Hass und Wut gegenüber Schwächeren, bis hin zu deren Tötung. Die Thematik der Vernichtung der Schwächeren zieht sich durch alle Titel. In „Apokalypse“ heißt es dazu: „Wenn das Starke sich befreit und Schwaches nach Hilfe schreit. Wenn es endlich ausgelöscht, erst dann herrscht hier neues Recht!“

Durch diese Ideologie wird ein Verzicht auf jegliche zwischenmenschliche Solidarität propagiert. Die Schwächeren werden als minderwertig dargestellt und es wird vermittelt, dass eine „neue Zeit“ erst anbrechen kann, sobald „das Schwächere“ vernichtet ist. Diese Argumentation erinnert deutlich an die Denkweise der Nationalsozialisten, welche in ihren Augen nicht lebenswerte und minderwertige Menschen u. a. in Konzentrationslagern vernichteten. Der Titel „Leichenzug“ ruft beim Hörer Bilder der Deportationszüge in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten hervor: „Donnernd rast er über die Gleise, der Leichenzug auf Todesreise. Seinen Weg sich zur Hölle bahnend, zig Kadaver umherfahrend. Angetrieben vom Opferdurst, der Menschheit Tod lautet sein Kurs. Unbeirrt verfolgt er sein Ziel, Ausrottung und Mord im großen Stil. Verwestes Fleisch in dem Wagon. Leichenzug, Todesschwadron. Ohne Gnade bis zum Sieg. Leichenzug, Vernichtungskrieg. […] Grollend rollen die Räder voran, der Schreckenstrupp zieht seine Bahn. Angst und Furcht tut er verbreiten, niemand wird am Leben bleiben.“ Von dieser Darstellung distanziert sich der Interpret nicht, die letzten Textzeilen dieses Liedes verdeutlichen vielmehr, dass er sich eher damit identifiziert: „Vorwärts zum Sieg, zum Kampf sind wir geboren. Vorwärts zum Sieg, Und zum Siegen auserkoren. Vorwärts zum Sieg, In rasender Heidenwut. Vorwärts zum Sieg, Fließen wird Euer Blut. Auf unseren Sieg. Auf unseren Sieg. Vorwärts zu unserem Sieg (…)!“

In dem auf diesem Album enthaltenen Titel „Totenkopflied“ wird die Waffen-SS verherrlicht: „Stolz marschieren sie in schwarz gewandt, der Ritterorden im Feindesland. Todbringend für den ewigen Feind, dessen Wesen Lügen und Neid vereint. Krieg, Vernichtung und Tod. Krieg, Schrecken und Not. Krieg, Hass und Gewalt. Krieg, Finster und Kalt. Sie haben nur ein Ziel vor Augen, Ausrottung des unreinen Glaubens. Der ihrer Art widerstrebt, da er von Angst und Schwäche lebt. Der Sturm bricht los, die Erde bebt wenn sich der Totenkopf erhebt. So kämpfen sie fürs höchste Gut, Treue, Stolz, Ehre und Blut.“

Auf dem Tonträger „Tribute to the Tyrants of German Black Metal” coverte die Band zudem das Lied „Germanien über alles” einer rechtsextremistischen Band aus Thüringen, welches offen den Nationalsozialismus glorifiziert: „In den Divisionen „Wiking“ und „Nordland“ waren geeint. Uns’re Ahnen unerschüttlich, für das Reich und gegen den Feind. Ihre Ehre, die hieß Treue, in den Adern floss ein Blut. Und ihr Heldentum soll leiten uns und stets härten uns’ren Mut. Großgermanien seit Äonen schon, von Ost bis England, von der Arktis, vom Eismeer, bis zum südlichen Alpenrand. […] Und das Feindheer, das den Krieg erklärt, wird zerschlagen mit starker Hand. Hat der Grund das Blut getrunken erst und der Rauch hat sich gelegt, strahlt das Heimatland in neuem Glanz, ist der Feind hin fortgefegt. Ein Heil dem Sieg, dem kalten Stahl, Germaniens edler Wehr. Auf ewig steht in Bruderschaft unser großgermanisches Heer. Ein Volk, ein Glaube – uraltes Heidentum Germanien über alles – für alle Zeiten nun.“

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Die Band Neubeginn formierte sich nach einer inaktiven Zeit im Jahr 2010 neu. Sie tritt gelegentlich bei rechtsextremistischen Konzertveranstaltungen auf, zeigt sich aber insgesamt wenig aktiv. Im Jahr 2019 trat sie bei einer rechtsextremistischen Konzertveranstaltung im Szeneobjekt in Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachsen) auf. Die zuvor bekannt gewordene Liste der geplanten Lieder umfasste neben Titeln aus zwei Alben der Band auch zwei Songs der Band Landser[1] und der für die rechtsextremistische Szene besonders bedeutsamen ehemaligen englischen Band Skrewdriver.

Die Band gab im Jahr 2000 den Tonträger „Reich uns die Hand“ und 2002 das Album „Verräter“ heraus. Nach der Neuformierung erschien im Jahr 2013 das Album „Vogelfrei“. Die Texte der Band nehmen zum Teil Bezug zur NS-Zeit. In Liedern dieser Musikgruppe werden Skinheads u. a. dazu aufgerufen, für ein „Deutsches Reich“ zu kämpfen, wobei erkennbar ist, dass hiermit das Dritte Reich gemeint ist.

Im Tonträger „Reich uns die Hand“, welcher nach einem Beschluss des Landgerichtes Dresden vom Mai 2008 der Beschlagname unterliegt, heißt es: "Komm reich uns die Hand, wir kämpfen für unser Vaterland. Wir recken die rechte Hand zum Himmel empor und Treue zu Deutschland ist unser Schwur. Wenn wir Skinheads das große Reich befreien, sollt keiner auf der Feindesseite sein. Da kommt der Tag der Rache, ja dann sind wir frei, Skinhead, Skinhead erwache und brich deine Ketten entzwei.'' Die Formulierung „recken die Hand zum Himmel empor“ spielt auf den "Hitlergruß" an.

Auch das Lied „Freiheitskampf“ verweist auf einen revolutionären Kampf, mit welchem die gegenwärtige Gesellschaftsordnung überwunden werden soll, um ein „heiliges Deutsches Reich“ für eine „Weiße Nation“ zu errichten. Im Text heißt es dazu: „Der 9. November gab uns neuen Mut, für den Kampf um unser Deutsches Reich. Doch eines Tages ist es soweit, dann ist Deutschland von allen Verrätern befreit.“ Refrain: „Darum lasst den Kampf nicht ruh’n, um unser heiliges Deutsches Reich. Kämpft mit uns für eine ‚Weiße Nation‘, denn nur so soll es sein!“

Im Lied „Rache“ glorifiziert die Band den Hitler-Stellvertreter Rudolf HESS als „Friedensbote“, welcher nur „das beste für das Reich“ gewollt habe und „Vorbild für die Ewigkeit“ sei.

 

[1] Das Berliner Kammergericht verurteilte die Mitglieder der rechtsextremistischen Band Landser 2003 zu Geld- und Haftstrafen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Tateinheit mit der Verbreitung von Propagandamaterial verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, der Billigung von Straftaten, der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole.

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Die Band Paranoid absolviert keine Live-Auftritte. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Person, die für ihre Musikproduktion andere Musiker beteiligt. In einem Interview mit dem Fanzine „Spektakuleer“ wurde angeführt, dass das Ziel der Band ursprünglich gewesen sei, „den damaligen ‚Ami-Punk-Klang‘ nach Deutschland zu holen und mit deutschen, politischen Texten zu versehen“. Beim letzten Tonträger der Band „mussten dann nach anwaltlicher Prüfung leider einige Stücke weg“. Diese wolle der Musiker sich aufheben, „bis die Fessel der Besatzung und Fremdgesetzgebung in unserer Heimat Geschichte ist“.

Der im Jahr 2015 erschienene Tonträger „Gender mich nicht voll“ der Band Paranoid wurde im April 2017 von der BPjM indiziert, da die Liedtexte zu Rassenhass und Gewalttätigkeiten anreizten. So wird im Lied „Hätte, hätte Fahrradkette“ dargelegt, dass die Interpreten gegen Teile der Bevölkerung – darunter Muslime, Juden und dunkelhäutige Menschen – Hassgefühle hegten. Dies wird in einer Weise vorgetragen, die nach Ansicht der BPjM zu Gewalt gegen die genannten Personengruppen anreize: „Ich würd so manchem, was er verdient, ihm geben. Den Reichen ihren Reichtum nehmen. All die Bonzen aus Berlin müssten zu ihrem Henker hin. Die Wege wären frei vom Dreck und Migration ein Fremdwort. (…) Toleranz und Weltoffenheit würden aus den Köpfen weichen. Bibel, Koran, Thora und Talmud würde man aus der Geschichte streichen. Dumme Presse, Lügenfressen, all die Hetzer wären weg. Als wäre er nie dagewesen, dieser ganze Haufen Dreck (…) Den Toleranten würd‘ ich alles nehmen und es den Intoleranten geben“.

Auch im Lied „Treu“ bringt die Band ihren Hass gegen Ausländer und Juden sowie gegen Menschen, die diese Gruppen unterstützen, deutlich zum Ausdruck: „Hier stehen wir, wer seid Ihr? Uns kriegt Ihr nicht klein, wir wollen in diesem Leben niemals Gutmenschen sein. Lieber Hass statt Toleranz (…) Wir hassen Euch, wir sind gegen den Islam. Wir hassen Euch, Ihr zionistischen Barbaren. Wir hassen Euch, verfluchtes Gutmenschen-Pack. Wir hassen Euch, (…) du lehnst das ab. Wir hassen Euch, Kriegstreiber und Verbrecher. Wir hassen Euch, südländische Messerstecher. Wir hassen Euch, und Euren Multi-Kulti-Wahn.“

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Die rechtsextremistische Ausrichtung dieser Band zeigt sich u. a. in dem Titel „Spürst du den Drang“ auf dem 2011 erschienenen und indizierten „Thiazi-Sampler“. Nach Auffassung der BPjM reizt die Band insofern zum Rassenhass an, als dort von weißen Kämpfern die Rede ist, die reines Blut haben und Widerstand leisten: „Ein Volk steht auf und setzt sich zur Wehr, weiße Kämpfer, nordisches Heer. Reines Blut, der Widerstand, die letzte Hoffnung für unser Land.“ Auch das 2015 von der Band herausgegebene Album „Rattenfänger“ wurde indiziert. Der Inhalt der CD verherrlicht den Nationalsozialismus und reizt zu Gewalttätigkeit sowie Rassenhass an. Das erste Lied der CD stellt ein Instrumentalstück dar, welches mit dem Ausschnitt einer Rede von Joseph GOEBBELS, des NS-Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, hinterlegt ist. Hierdurch wird eine Person glorifiziert, die zu einem großen Teil für den Erfolg der NSDAP verantwortlich war.

Auch das Lied „We are the law“ beinhaltet eine eindeutige Verherrlichung des Nationalsozialismus. Immer wieder wird in dem Lied „Hail victory“ gesungen, was sich im Deutschen mit „Sieg Heil“ übersetzen lässt. Der Titel „I believe“ („Ich glaube“) enthält im Refrain die Parole „14 words“ als Synonym für die unter Rechtsextremisten populären „14 Worte“: „We must secure the existence of our race, and a future for white children“ („Wir müssen die Existenz unserer Rasse und auch die Zukunft unserer weißen Kinder sichern.“). Die erste Strophe des Liedes drückt den Stolz auf den Großvater, die Sehnsucht nach den großen Jahren (NS- Zeit) und die Männer in ihren dunklen Uniformen (Dienstkleidung der SS) sowie dem schönen Anblick der schwarzen Fahnen aus. Passend dazu heißt es im Lied „Change the world“: „Ändere die Welt in eine weiße Nation, das ist unsere letzte Rettung“. Die Welt solle nicht mehr geprägt sein durch Vielfalt der Kulturen und Nationalitäten, vielmehr solle allein die „weiße Rasse“ vorherrschend sein. Es wird eine Art Endzeitstimmung heraufbeschworen, bei der die Gegenwart als „Ära des Mordes, der Vergewaltigung und des Verbrechens“ beschrieben wird. „Fortgejagt“ werden sollten zudem die Menschen, die dem „deutschen Volk den Kopf verdrehen“. Im Titel 11 „Neue Jugend“ heißt es weiter: „Wir kennen keine Klassen; nur Deutsche treu geschart; der Weltfeind, den wir hassen, ist nicht von deutscher Art“.

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Der RAC‘N‘Roll-Teufel ist ein Projekt des Liedermachers Schratt. Die Namensgebung „RAC“[1] sowie die Verankerung des Interpreten in der rechtsextremistischen Szene verdeutlichen die politische Ausrichtung dieser Musikgruppe. Den in der Szene vorherrschenden rassistischen Ansichten entsprechend unterscheidet RAC‘N‘Roll-Teufel in seinen Texten zwischen Deutschen und Menschen anderer Herkunft. So heißt es in dem im Jahr 2012 erschienenen Album „Ehrbare Menschen in ehrloser Zeit“ in Lied 04 „Heile Welt“: „Einst lachten Kinder auf dem Spielplatz gegenüber der Grundschule. Heut siehst Du stadtbekannte Dealer dort rumhängen. Und wenn einst Polizisten hier für klare Verhältnisse sorgten, übernimmt das heute eine Kurdengang. Wie reagierst Du, wenn sie deine Tochter deutsche Hure nennen, deinen Sohn verprügeln, weil er sich daran stört? Wenn auch die Kinder deiner Nachbarn vor Kulturbereicherern rennen und sich keiner einen Scheißdreck darum schert. Was willst du tun, wenn dir die Zeiten alle Deine Träume rauben und hier nichts mehr zählt, von dem was einmal galt?“ Weiter heißt es in Lied 09 „Was ich meine“: „Die Einigkeit der Deutschen, wie oft wurde sie beschworen. Doch wie mir scheint, gehen die Gemeinsamkeiten nach und nach verloren, denn heut nennt man viele deutsch, mit denen hab ich nichts gemein und will beim aller besten Willen mit Ihnen nicht vereinigt sein.“ Menschen anderer Herkunft werden damit ausgegrenzt, und es werden ihnen negative Verhaltensweisen zugeschrieben. Als Liedermacher spielte Schratt in der Vergangenheit auf seinen Auftritten eigene Songs, coverte aber auch Lieder der Band Landser oder der bekannten, für die rechtsextremistische Szene besonders bedeutsamen ehemaligen englischen Band Skrewdriver.

 

[1] „RAC” steht für „Rock Against Communism“. Die Bezeichnung bezog sich ursprünglich auf eine Kampagne britischer rechtsextremistischer Bands und steht heute für ein Schlagwort bzw. eine Selbstbezeichnung rechtsextremistischer Musik.

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Die Band Sachsenblut beteiligt sich regelmäßig an rechtsextremistischen Konzerten. Sie war auf dem 2011 erschienenen „Sachsensampler Vol. 2“ mit dem Titel „Sachsenblutlied“ vertreten. Der Sampler wurde von der BPjM auch mit Blick auf diesen Titel indiziert, da er den Nationalsozialismus sowie dessen Ideologien und Symbole verherrliche sowie zum Hass auf dunkelhäutige Menschen anreize. Im Lied der Band heißt es: „Ich will unser Sachsenblut nicht verdünnt sehen von fremdem Volk.“ Dieses ursprünglich aus dem historischen Spielfilm „King Arthur“ stammende Zitat ist im vorliegenden Kontext dahingehend zu verstehen, dass das „arische“ Blut reingehalten werden solle und seine Vermischung mit jenem von Menschen anderer ethnischer Herkunft zu verhindern sei.

Auch in Liedtexten auf dem 2013 ebenfalls indizierten Tonträger „Der Apell“ werden der Nationalsozialismus und seine Kriegsführung verherrlicht. Im Lied „Wie unsere Großväter“ heißt es: „An allen Fronten in der Wüste und im Schnee, stand für Ruhm und Ehre die deutsche Armee. Tapfer gekämpft ja in jeder Schlacht, in Grau marschierte die größte Macht. Vor den Toren von el Alamein, auch in Stalingrad da waren sie dabei. Am Triumphbogen in Paris, vorwärts für Deutschland Ihr Schlachtruf hieß. Wie unsere Großväter, so stehen wir bereit, kämpfen für Deutschland Seite an Seit. Unser Glaube er wird niemals untergehen, weil wir noch treu zu unserem Reiche stehen“. Entscheidend für die Indizierung des 2014 erschienenen Samplers „Tag der deutschen Zukunft (TDDZ)“, an welchem die Band ebenfalls beteiligt war, war die einseitige Darstellung von Ausländern im Titel „Lasst uns ein Zeichen setzen gegen die Überfremdung“. Die Innenseiten der CD-Hülle zeigen Artikel u. a. über „Bettelbanden“ und über einen Mann, der ausländischen Tätern zum Opfer gefallen sei, womit eine kriminelle Neigung von Einwanderern suggeriert wird. Im Titel 06 von Sachsenblut „Heute und für alle Zeit“ heißt es dementsprechend: „Unsre Heimat, unser höchstes Gut, seid stolz auf sie und habt den Mut. Am Tag der deutschen Zukunft zeigt ihnen wer ihr seid, gegen Überfremdung und Kulturenwandel - heute und für alle Zeit. […] Ein Land stirbt mit seinem Volk, doch macht ihr nichts dagegen. Ihr habt nur ein Ziel uns mit Erfolg auf das Schafott zu legen. Die Geschichte wird bald neu geschrieben, weil ihr sie grad verschenkt und ein Volk mit Sack und Pack in sein Verderben lenkt.“

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Die Band Sachsonia ist seit ihrer Gründung zusammen mit anderen rechtsextremistischen Musikgruppen auf zahlreichen rechtsextremistischen Konzertveranstaltungen in Deutschland sowie im Ausland aufgetreten. Die Bandmitglieder bezeichneten sich in einem Interview als „in erster Linie freiheitsliebende, für nationalen Sozialismus einstehende Deutsche“.

In den Liedtexten der Tonträger wird die Wehrmacht verherrlicht, sie sind teilweise ausländerfeindlich und diffamieren politische Gegner. In dem 2006 erschienenen und indizierten Tonträger „Unvergessen“ wird zum Rassenhass angereizt und der Nationalsozialismus glorifiziert. Schon die Textüberschrift im Lied „stoppt Multi-Kulti“ lässt eine generelle Ablehnung von Ausländern erkennen. Im folgenden Text werden Ausländer als Gefahr für die deutsche Kultur dargestellt: „Lasst euch nicht auf fremde Kultur ein, schützt eure eigene, so soll es sein. Deutsche Landser sind dafür gefallen in der Schlacht und ich glaube fest daran, dass Deutschland erwacht. Viel zu viele Kinder, die kommen auf die Welt, ihrer Heimat entwurzelt und ihres Volkes entstellt. Multi Kulti das ist Völkermord, ganz egal in welchem Land, ganz egal an welchem Ort. Halten wir nicht endlich diesen Wahnsinn auf, dann nimmt der Deutschen Untergang drastisch seinen Lauf. Ehre, Blut und Treue müssen wieder Werte sein, die die Deutschen in sich tragen (…). Wir kämpfen für die Zukunft, für unser Volk und die Nation und jeder Volksverräter bekommt seinen Lohn.“

Im Lied „Einst werd ich‘s erklären“ wird der Kampf der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg als Verteidigung der Heimat glorifiziert und demgegenüber der heutige politische Gegner als „Pöbel“ diffamiert, der zu deportieren sei: „Millionen deutsche Männer mit dem Adler auf der Brust, erfüllen Ihre Pflicht mit der Waffe in der Hand. Sie stürmten tief in ihnen fremdes Gebiet und verteidigten Ihr Heimatland. Vom Rest der Welt verkauft und verraten, die feindliche Übermacht war zu groß, nach Sibirien verbannt für Ihre Heldentaten und die Heimat war‘n sie an die Polen los. Seh ich heut den Pöbel, der auf der Straße steht und in geistiger Umnachtung mit der roten Fahne weht. Ich werd es nie begreifen, was das alles soll, sie schrei’n Deutschland verrecke und findens auch noch toll. Wenn es Euch hier nicht gefällt, dann macht euch auf die Reise, nehmt Eure rote Fahnen mit und all die Kommi-Scheiße. Im Viehwaggon macht‘s Euch bequem und ab in den Ural, keiner wird Euch hier vermissen, Ihr wart nur eine Qual.“

Im Lied „Unvergessen“, welches an den SA-Sturmführer Horst WESSEL erinnert, werden die Mitglieder der NSDAP sowie die „Kämpfer in brauner Uniform glorifiziert: „Du hast junge deutsche Männer zum Kämpfen animiert und fest vereint seid ihr durch Berlin marschiert. In allen deutschen Gauen standen Jungs wie Eichenholz und die braune Uniform hieß Ehre, Treue und Stolz“.

Die Band gab im Jahr 2018 das Album „18“ heraus. Die Band gibt zwar im gleichnamigen Lied vor, dass es sich hierbei nur um ein Bandjubiläum handele, allerdings weist das CD-Cover darauf hin, dass die Zahl 18 wohl eher für die Buchstaben „AH“ (Adolf HITLER) steht. Abgebildet wurde ein Reichsadler, bei dem statt eines Hakenkreuzes die Zahl 18 im Kranz enthalten ist. Im Lied „Furor Teutonicus“ werden Ausländer als „Schmarotzer“ bezeichnet. Sie stünden – „geplant von langer Hand“ – wie eine „dunkle Wolke“ über dem Land, als „Mittel zum Zweck zur Vernichtung von deutschem Blut“.

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Die Band Selbststeller trat in der Vergangenheit regelmäßig bei rechtsextremistischen Konzerten auf, zeigte sich jedoch zuletzt kaum noch aktiv.

Der Titel „Sound of Civil War“ erfüllt nach einem Urteil des Amtsgerichts Nördlingen den Tatbestand der Volksverhetzung (§ 130 StGB). Im Lied wird der von Neonationalsozialisten als Beleidigung genutzte Begriff „ZOG“[1] verwendet, der die antisemitische Einstellung der Band bezeugt. Weiterhin wird zum bedingungslosen Kampf für den Erhalt der weißen Rasse, gegen die Kommunisten, gegen die ZOG und den Kapitalismus bis zum Ende oder Sieg aufgerufen. Dabei wird Gewalt als ein legitimes Mittel zur Zielerreichung angesehen: „We stand for the white resistance, final solution our last chance. When you march through the street, a long road (…) We sing for the Skinheads and the others who smash the reds. On judgement day when we will win, to play on we never give in. (…) A great white supremacy will be the dead for the communism. At the end of our fate we‘ve done the crusade we kill the ZOG and the capitalism.”

(„Wir stehen für den weißen Widerstand, die Endlösung ist unsere einzige Chance, wenn Du durch die Straßen marschierst, ein langer Weg (…) Wir singen für die Skinheads und alle anderen, welche die Roten zerschlagen. Am jüngsten Tag werden wir gewinnen, wir spielen weiter und geben nicht auf. (…) Eine große, weiße Übermacht wird der Tod des Kommunismus sein. Am Ende unseres Schicksals haben wir den Kreuzzug gemacht, wir töteten ZOG und den Kapitalismus.“)

Im Lied „Hass“ wird die Ungleichheit der Rassen betont und gegen die „Multi-Kulti-Gesellschaft“ in Deutschland sowie gegen Zuwanderung gehetzt: „Immer wieder der gleiche Scheiß, schwarz und weiß werden gleich (…) Wie sich doch angeblich Multikulti bewährt, verliert unser Volk jetzt völlig den Verstand. Diese Schweine überfluten unser Land. Ich bin doch nicht bescheuert, mach mich selber zum Gast. Der Gedanke daran bringt nur Hass, Hass, Hass, Hass.“

 

[1] Der Begriff „ZOG“ steht für „Zionist Occupied Government“ (zionistisch besetzte Regierung) und ist eine in der rechtsextremistischen Szene häufig benutzte Parole. Sie verfolgt den verschwörungstheoretischen Ansatz, dass die Regierungen von „Juden“ kontrolliert würden.

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Ebenso wie der Liedermacher Handschu hat auch ein unter der Bezeichnung Sonderkommando Elbe auftretender Liedermacher eine Beziehung zur Brigade 8. So trat er bei deren Veranstaltungen auf. Auch seine Namensgebung verweist auf seine rechtsextremistische Ausrichtung[1].

 

[1] Das „Sonderkommando Elbe“, auch „Rammkommando Elbe“ genannt, war im Zweiten Weltkrieg eine Einheit der Luftwaffe, welche gegnerische Flugzeuge im Gefecht durch Rammen zum Absturz brachte. Sie sind damit die deutsche Version der japanischen „Kamikaze“.

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Die Band Stahlfront ist der NSBM-Szene zuzurechnen. In einem Interview mit dem Internetportal „Black Metal Germania“ bezeichnete sich die Band als „Reaktionsform auf diese versklavte, parasitäre, dekadente Gesellschaft“. Dem Hörer solle „im besten Fall klar werden, dass er in einer Blutlinie steht, mit denen, die wir in unseren Liedern besingen“. Die Band kündigte dabei auch an, dass in einem künftigen Album „auch aktuelle Themen um die zionistische Weltverschwörung“ zu hören sein würden.

Der 2015 erschienene und indizierte Tonträger „I.Z.D.R.“ nimmt positiv Bezug auf die NS-Zeit. Im gleichnamigen Titel („Im Zeichen der Reinheit“) wird die nationalsozialistische Ideologie vom Erhalt der „Reinheit der Rassen“ befürwortet: „Im Schein der schwarzen Sonne[1] stehen wir bereit zur letzten Schlacht. Schreiten vorwärts immer weiter bis zum Tag, an dem das Volk erwacht (…). Dieser Kampf ist unumgänglich für Europas Art-Erhalt, der Ruf der Einheit durch die Herzen aller reinen Völker schallt. Bereit zum Kämpfen bis zum Tod, für des Reiches Herrlichkeit. Das Zeichen der Reinheit währt in alle Ewigkeit.“ Im Titel „Ausklang“ werden Ausschnitte aus dem 1937 gedrehten deutschen Kriegsfilm „Unternehmen Michael“ verwertet, welcher wegen seiner nationalsozialistischen Propaganda als Vorbehaltsfilm[2] geführt wird.

 

[1] Die schwarze Sonne ist ein nationalsozialistisches Symbol, welches im ehemaligen SS- Obergruppenführersaal in der Wevelsburg (NRW) angebracht wurde. Es wurde in der neonationalsozialistischen Szene nach 1945 als Ersatz für das in Deutschland verbotene Hakenkreuz verwendet.

[2] Als Vorbehaltsfilme bezeichnet die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Propagandafilme aus der Zeit des Nationalsozialismus aus ihrem Filmbestand, deren Inhalt kriegsverherrlichend, rassistisch oder volksverhetzend ist und die deshalb auf Beschluss des Stiftungs-Kuratoriums nicht für den Vertrieb freigegeben werden.

 
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Die Band Stahlwerk trat in der Vergangenheit bei rechtsextremistischen Konzerten im Szene-Objekt in Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachsen) auf. Im Tonträger „Die Erste und die Letzte“ offenbart sie ihr Verhältnis zur Gewalt: „Ist die Rübe kahl rasiert und die Fresse Blut verschmiert, dann spielt Stahlwerk, dann spielt Stahlwerk. Wo die Schulterblätter krachen und die Bullen blöde machen: Dann spielt Stahlwerk, dann spielt Stahlwerk.“ Im Lied „Tag X“ beschreibt die Band den Tag, an dem eine Abrechnung mit dem „kranken System“ komme, welches mit Gewalt abgelöst werden solle: „Es kommt die Zeit, da steht ihr an der Wand. Es kommt die Zeit, da brennt das ganze Land. Unantastbar, das glaubt ihr zu sein. Doch ihr seid nichts als Dreck, von dem wir uns befreien.“ Im Titel „Meine Stadt“ (enthalten auf dem 2014 erschienenen und indizierten Sampler zum „Tag der deutschen Zukunft“) diskriminiert die Band Ausländer in pauschaler Weise: „Sie ziehen in Gruppen durch die Stadt, glauben hier zu Hause zu sein. Auf ihre Opfer gehen sie los und schlagen wahllos auf sie ein. Kommt dann mal wirklich was ans Licht, wird es verharmlost und verdrängt. Die Antwort, sie ist einfach, Mentalität und Temperament.“

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Ein auf ihrem Facebook-Profil im Jahr 2017 veröffentlichter Flyer verdeutlicht die politische Ausrichtung der Band. Unter der Überschrift „Thematik 25 mehr als nur Musik“ enthält das Bild die Darstellung von Demonstranten und einem Transparent mit der Aufschrift „Deutschland ist da, wo starke Herzen sind! Nationaler Sozialismus“. Der von Neonationalsozialisten oft verwendete Slogan „Nationaler Sozialismus“ ist auch in den Liedtexten dieser Band zu finden. Auf einer veröffentlichten CD heißt es in „Das Aktivistenlied“: „Nationale Sozialisten stehen zum Kampf bereit, gegen das BRD-System, für eine bessere Zeit! Nationale Sozialisten, voran! Nationale Aktivisten keiner stoppen kann!“. In diesem Titel wie auch in den Liedern „Der Aufstand“ und „Alle müssen raus“ wird darüber hinaus das bestehende politische System verurteilt und zum Kampf gegen dieses aufgerufen: „Vorwärts Kameraden, kommt zusammen in den Gassen und den Plätzen. Der Aufstand hat angefangen, lasst uns die Straßen besetzen! (…) Egal ob hinter Gittern oder auf der Straße, tanzen wir diesem Staat weiter auf der Nase. Dieses System hat mal wieder nichts gekonnt, drinnen und draußen eine Front.“

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Die Mitglieder dieser Band stammen aus dem Umfeld der Fußballfangruppe Black Devils, welche der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene zuzurechnen ist. Thoytonia, wie auch die Black Devils, nutzen dasselbe Objekt in Hoyerswerda (Lkr. Bautzen). Die Musikgruppe trat bei Konzertveranstaltungen in Hoyerswerda (Lkr. Bautzen), Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachsen) und auch in Thüringen zusammen mit anderen rechtsextremistischen Bands auf. Im Oktober 2018 veröffentlichten sie über den rechtsextremistischen Vertrieb Rebell Records ihren ersten Tonträger. Ein Blick auf die Texte offenbart die rechtsextremistische Gesinnung. Im Lied „Thoytonia“ wird Hoyerswerda als Stadt mit „gesunder Bräune“ beschrieben, in der man zusammenstehe „im Kampf fürs Reich“. Dieser Kampf – so die Band – richte sich „gegen fremde Kräfte, die das Land übernahmen“.

„Jede Stadt“ heißt es im Lied „Steh auf“ „wird von Fremden überrannt (…)[,] jeder macht was er will[,] Überfremdung im großen Stil“. Man solle sich zusammenraufen, „ob Jung ob Greis[,] unsere Stadt bleibt deutsch und weiß (…)“. In offenkundig diffamierender Art und Weise heißt es weiter: „der moderne Moslem macht sich hier breit“ und niemand erkenne die Gefahr „von der drohenden Asylantenschaar[,] macht am besten noch die Beine breit zweimal Blut vermischt zu einem Grit[1]“. Weiter wird offen zur Gewaltanwendung aufgerufen: „Bürger dieser Stadt zum Kampf bereit […] wir kämpfen mit Worten und Taten“. Dass dieser Kampf nach Vorstellung dieser Band auch bewaffnet sein soll, verdeutlicht der Aufruf im ersten Lied: „Männer an die Waffen[,] auf in die Schlacht“.

 

[1] „Grit“ meint hier Streugut.

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Einzelne Mitglieder der Band True Aggression waren zuvor in anderen rechtsextremistischen Musikgruppen, wie z. B. Selbststeller, aktiv. In einem Ende 2018 veröffentlichten „Jahresrückblick“ äußerte die Band: „Wir alle müssen an einem Strang ziehen, um dieses ‚System des Unrechts‘ niederzuringen. Lasst die verdammten Grabenkämpfe! Für ein Europa der Vaterländer! Wir sind keine ‚Fremdenfeinde‘, sondern die Verteidiger des Eigenen und der echten Vielfalt!“. Wie bereits der Bandname verdeutlicht, gibt sich diese Musikgruppe aggressiv. Die Anwendung von Gewalt als Mittel zur Überwindung des gegenwärtigen Systems findet im Lied „Jetzt gibt’s Stunk“ des gleichnamigen Tonträgers positiven Anklang: „Will man im Leben was erreichen, muss man auch mal auf die Regeln scheißen. Wenn Argumente nicht mehr zählen, sollte man sich nicht rumquälen. Einfach auf die Barrikaden, nur so kannst du ihnen schaden. Ohne dass es knallt und lauter wird, wirst du nichts erreichen. (…) Lasst uns heut ein Zeichen setzen (…) Reist die Lethargie in Fetzen! Laute Stimmen, starke Herzen, lasst uns das System ausmerzen. Ängstlichkeit gehört den Feigen. Lasst uns heut Geschichte schreiben.“

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Die Band Überzeugungstäter Vogtland trat in der Vergangenheit regelmäßig zusammen mit anderen Bands der Szene auf rechtsextremistischen Konzerten auf. Ihre 2015 herausgegebene CD „Epoche der Angst“ wurde von der BPjM indiziert. Sie enthält Liedtexte, welche Teilen der Bevölkerung die Menschenwürde aberkennen. Einzelne Lieder weisen Gewalt- und Hassbotschaften gegen die jüdische Bevölkerung auf.

Im Titel „Krieg den Verhassten“ heißt es: „In der Vergangenheit, da machte sich hier eine Sippe breit. Sie unterwanderten und betrogen und das weltweit. Heucheln, jammern, untergraben steckt tief in ihrem Blut. (…) Seit Generationen werden sie gehasst und verjagt (…). Gier und Geldsucht steht in ihrem Gesicht, wahre Werte fallen nicht in ihr Gewicht. Und schauen wir heut in die moderne Zeit, voller Schamgefühl und Betroffenheit, nutzen sie ihre Opfer, um Geld zu unterschlagen. (…) Krieg den Verhassten, seit dem Mittelalter setzt man ihn fort. 1000 Jahre lügen nicht, die Rache der Unterdrückten in Tat und Wort. Krieg den Verhassten, so mancher Schlag hat hart gesessen, Hass, Hass.“ Im Titel „Schlagt die Köpfe ein“ wird unverhohlen Gewalt befürwortet: „Schlagt euch die Köpfe ein, Schlagt euch (...). Der Spaß an Massenhauereien, lässt manchen Nasenbruch verzeihen“.

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Die Band trat in der Vergangenheit häufig zusammen mit der ebenfalls aus Leipzig stammenden Musikgruppe Thematik 25 bei rechtsextremistischen Konzertveranstaltungen auf. Nach ihrer Gründung bezeichnete sie sich als „junge Combo“, die „RAC“ spiele. Neben eigenen Songs spielen sie auf Konzerten auch Lieder anderer rechtsextremistischer Musikgruppen.

Bereits das Logo der Band zeigt Bezüge zum Nationalsozialismus. Es enthält ein Zahnrad mit schwarzer Fahne, welches vom Spruch „Das Blut in unseren Adern verpflichtet uns zur Tat“ umrandet ist. Das Symbol des Zahnrads war unter den Nationalsozialisten ein Symbol der NSDAP-Organisation „Deutsche Arbeitsfront“. Es wird auch im Bereich der neonationalsozialistischen Kameradschaften verwendet.

Die Band gab im Jahr 2015 einen Tonträger heraus, dessen Liedinhalte durch menschenverachtende Textpassagen gekennzeichnet sind, zur Revolution aufrufen und die Demokratie ablehnen, da diese angeblich für einen „Volkstod“ verantwortlich sei.

Im Lied „TfK“ (steht für „Todesstrafe für Kinderschänder“) fordert die Band den Tod unter Qualen für Kinderschänder, Vergewaltiger und Drogenhändler: „Todesstrafe für Kinderschänder, Todesstrafe für Drogenhändler, Vergewaltiger keine Gnade, ich wünsch euch Todesqualen und Schikane. […] Vergewaltiger euch sollte man lebendig verbrennen, ihr misshandelt die Frauen, die sich kaum wehren können. Nur um euren kranken Trieb zu stillen, auch dagegen gibt es keine Pillen [...]“.

Hinter diesen Aussagen steht nicht die Entrüstung über furchtbare sexuelle Gewalttaten oder Drogendelikte, sondern es sind bekannte Versuche der rechtsextremistischen Szene, diese Verbrechen zu instrumentalisieren, um die Missachtung der Grundrechte ganzer Bevölkerungsgruppen zu fordern. 

Im Lied „Untergang“ wird ein vermeintlich bevorstehender „Volkstod“ beschworen: „Der Volkstod er naht heran, den Untergang, den man noch stoppen kann. Er bringt uns Tod, er bringt uns Leid und das bis in alle Ewigkeit. Alte Werte verschwinden von Tag zu Tag noch mehr. Wo führt uns das nur hin, diese Last ist viel zu schwer. Volkstod ist das Ergebnis durch ihre Demokratie. Wo ist die Volksgemeinschaft in dieser Maschinerie.“

Der Song „Es ist Zeit“ ruft zu einem revolutionären Umsturz auf: „Verehrtes Volk, es ist soweit reiht euch ein, denn es kommt die Zeit für unser Land zu kämpfen, stehen wir bereit. Deutschland wird jetzt befreit. Jetzt ist Schluss mit euren Lügen und Schluss mit dem Betrug, Köpfe werden rollen, wir haben jetzt genug. Unser Volk wird rebellieren, gegen eure Welt, gegen eure Ideologien, gegen euer falsches Geld.“

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Der Name White United Terror (übersetzt: „Weißer geeinter Terror“) zeigt deutlich die rassistisch motivierte Einstellung dieser Band. In einer CD (2009) beschreibt sich die Musikgruppe als „neue Gefahr“ für den Staat. Sie sei „voller Wut und radikal“ und „trotz Repressionen national“. Der Titel „Erhebe Dich“ weist versteckt die für den Rechtsextremismus typischen antisemitischen Botschaften bezüglich eines angeblich „weltbeherrschenden Judentums“ auf: „Du kennst nicht das wahre Gesicht des Bösen (…) das Kapital ist sein Monopol (…) er hält alle Fäden in der Hand, regiert so aus dem Schatten jedes Land. Sein Volk gibt es schon seit tausend Jahren, der Kampf gegen sie birgt viele Gefahren.“

Im Titel „Parasitäre Infektion“ wird mit antisemitischer Intention ein Parasit beschrieben, den es schon „seit tausenden Jahren“ gebe. Jeder solle die Wahrheit erfahren „wie er sich verbreitet und alles infiziert und die Menschheit manipuliert. PARASIT! Hetzen, Lügen – Kriege treiben – du bringst über uns großes Leiden“.

Das im Berichtsjahr veröffentlichte Album „Kleiner Ohrinfarkt“ wurde über den rechtsextremistischen Vertrieb OPOS-Records (Brandenburg) produziert. Das Cover gestaltete ein Rechtsextremist aus Bautzen, der unter dem Label „Balaclava Graphics“ entsprechende Arbeiten anbietet. Dieser warb dann auch auf seinen verschiedenen Kanälen für das Album.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen im Jahr 2019 in Sachsen

Die nachfolgenden Tabellen beinhalten Übersichten über rechtsextremistische Konzertveranstaltungen, Liederabende und sonstige Musikveranstaltungen, welche im Berichtsjahr genannt werden können.

 

Konzertveranstaltungen

 

Datum

Ort

Konzertbesucher (ca.)

1

19. Januar

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

250

2

16. Februar

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

130

3

23. Februar

Bad Gottleuba-Berggießhübel OT Langenhennersdorf (Lkr. Sächs. Schweiz-Osterzgebirge)

92

4

9. März

Hoyerswerda (Lkr. Bautzen)

250

5

23. März

Mücka (Lkr. Görlitz)

200

6

23. März

Ostritz (Lkr. Görlitz)

561

7

13. April

Zwickau (Lkr. Zwickau)

50

8

27. April

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

170

9

4. Mai

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

220

10

7. September

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

170

11

14. September

Mücka (Lkr. Görlitz)

100

12

28. September

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

230

13

5. Oktober

Hainichen (Lkr. Mittelsachsen)

170

14

1. November

Bad Gottleuba-Berggießhübel OT Langenhen-nersdorf (Lkr. Sächs. Schweiz-Osterzgebirge)

200

15

2. November

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

230

16

8. November

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

230

17

9. November

Bad Gottleuba-Berggießhübel OT Langenhennersdorf (Lkr. Sächs. Schweiz-Osterzgebirge)

100

18

7. Dezember

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

230

19

28. Dezember

Torgau OT Staupitz (Lkr. Nordsachen)

240

 

 

Liederabende und sonstige Musikveranstaltungen

 

 

Datum

Ort

Veranstaltung

1

5. Januar

Sachsen

Liederabend mit FreilichFrei (SN)

2

26. Januar

Leipzig

Veranstaltung mit Auftritt von Liedermachern aus Brandenburg und Thüringen sowie der sächsischen Bands Thematik 25 und Volksnah

3

3. Februar

Annaberg-Buchholz (Erzgebirgskreis)

Liederabend mit Lunikoff (BR)

4

8. Februar

Sachsen

Liederabend mit einer Band aus Thüringen

5

16. Februar

Bad Schandau OT Porschdorf (Lkr. Sächs. Schweiz-Osterzgebirge)

Auftritt des Sängers einer Band aus Rheinland-Pfalz im Rahmen einer NPD Veranstaltung

6

24. Februar

Lunzenau (Lkr. Mittelsachsen)

Liederabend mit Lunikoff (BR)

7

2. März

Mücka (Lkr. Görlitz)

Geburtstagsfeier der Brigade 8 mit Auftritt von Liedermachern

8

20. April

Raum Zwickau

Auftritt des Liedermachers FreilichFrei (SN) bei einer Veranstaltung der Partei Der III. Weg

9

27. April

Striegistal OT Marbach (Lkr. Mittelsachsen)

Auftritt des Liedermachers FreilichFrei (SN) sowie eines Liedermachers aus Brandenburg bei einer Geburtstagsfeier

10

10. Mai

Chemnitz

Interessentenabend der Partei Der III. Weg mit Auftritt eines Liedermachers

11

18. Mai

Hoyerswerda (Lkr. Bautzen)

Auftritt von Bands bei einer Jahresfeier im Objekt der Black Devils

12

30. Mai

Mücka (Lkr. Görlitz)

Männertagsfeier mit Auftritt eines Liedermachers

13

21. Juni – 22. Juni

Ostritz (Lkr. Görlitz)

Auftritt von Bands/Einzelinterpreten aus Deutschland und dem Ausland beim „Schild und Schwert Festival“

14

29. Juni

Sachsen

Auftritt von Musikern der Band Pionier (SN) bei einem Liederabend

15

29. Juni

Riesa (Lkr. Meißen)

Auftritt des Liedermachers Frank RENNICKE bei einem Sommerfest der NPD

16

29. Juni

Mücka (Lkr. Görlitz)

Auftritt von Liedermachern bei einer Veranstaltung der Brigade 8

17

12. Juli

Markneukirchen OT Erlbach (Vogtlandkreis)

Auftritt von FreilichFrei (SN) und weiteren Liedermachern bei einem Sommerfest

18

19. Juli

Zwickau (Lkr. Zwickau)

Auftritt des Sängers einer Band aus Rheinland-Pfalz

19

20. Juli

Zwickau (Lkr. Zwickau)

Auftritt von zwei Liedermachern aus Sachsen und Brandenburg

20

27. Juli

Mücka (Lkr. Görlitz)

Geburtstagsfeier der Brigade 8 mit Auftritt von drei Liedermachern

21

3. August

Grimma OT Roda (Lkr. Leipzig)

Sommerfest mit Lunikoff (BR)

22

17. August

Wurzen (Lkr. Leipzig)

Veranstaltung mit Auftritt von Kategorie C (HB)

23

17. August

Vogtland

Liederabend mit FreilichFrei (SN)

24

2. Oktober

Plauen (Vogtlandkreis)

Auftritt von Lunikoff (BR) im Rahmen einer „Barhocker Tour“ bei einer Veranstaltung der Partei Der III. Weg

25

12. Oktober

Sachsen

Veranstaltung mit Musik unter Beteiligung von RAC’n’Roll Teufel und einer Band aus Thüringen

26

26. Oktober

Raum Sächsische Schweiz

Auftritt des Sängers einer Band aus Rheinland-Pfalz bei einer NPD Veranstaltung

27

20. Oktober

Erzgebirgskreis

Auftritt einer Liedermacherin

28

8. November

Zwickau (Lkr. Zwickau)

Liederabend, für den ein Auftritt von Kategorie C (HB) angekündigt wurde

29

9. November

Neuensalz (Vogtlandkreis)

Auftritt von Liedermachern beim Kongress der Jungen Nationalisten

30

14. Dezember

Plauen (Vogtlandkreis)

Auftritt einer Liedermacherin bei einer Veranstaltung der Partei Der III. Weg

31

21. Dezember

Erzgebirge

Liederabend mit FreilichFrei (SN)

32

21. Dezember

Westsachsen

Liederabend mit FreilichFrei (SN)

33

28. Dezember

Vogtlandkreis

Liederabend mit FreilichFrei (SN)

Bewertung

Auch im Jahr 2019 zeigte sich die rechtsextremistische Musikszene im Freistaat Sachsen sehr aktiv bei der Durchführung von Musikveranstaltungen. Der Schwerpunkt der rechtsextremistischen Musikszene liegt im Landkreis Nordsachsen sowie im Landkreis Görlitz. Auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge rückt wieder etwas stärker in den Fokus der Organisatoren entsprechender Veranstaltungen.

Es ist zu erwarten, dass das hohe Aktionspotenzial, welches auch in engem Zusammenhang mit verfügbaren Räumlichkeiten bzw. Liegenschaften steht, auch im Jahr 2020 erhalten bleiben wird. Trotz der sinkenden Teilnehmerzahlen bei Großveranstaltungen ist davon auszugehen, dass die Organisatoren an ihnen festhalten werden, solange ihnen geeignete Liegenschaften zur Verfügung stehen. Die Organisation von Konzertveranstaltungen ist für rechtsextremistische Labels ein wichtiges Mittel für kommerzielle Erfolge. Zum einen fließen den Veranstaltern bzw. vertretenen Labels so Einnahmen aus dem Kartenverkauf bzw. aus dem Verkauf von Tonträgern und Merchandise-Artikeln zu, zum anderen dienen die Veranstaltungen auch als Werbung für Produktionen der auftretenden Bands.

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