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Rechtsextremistische Musik

Die Musik sowie die Szene-Konzerte sind unverändert wichtige Instrumente für die Verbreitung der rechtsextremistischen Ideologie und damit eine zentrale, identitätsstiftende Basis für die Szene. Gemeinsame Konzertbesuche stärken das Gemeinschaftsgefühl und tragen dazu bei, dass Kontakte zwischen den verschiedenen regionalen Szenen geknüpft und aufrechterhalten werden. Rechtsextremisten können ihre verfassungsfeindliche Ideologie sehr gut über Musikdarbietungen vermitteln, wobei dazu passende Melodien und Rhythmen einen wesentlich verstärkenden Faktor im emotionalen Empfinden des Empfängers auslösen. Insofern ist die Musik vor allem für Jugendliche ein Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene. Nicht zuletzt spielen kommerzielle Gesichtspunkte bei der Veranstaltung von Konzerten und vor allem bei den Szene-Vertrieben eine nicht zu unterschätzende Rolle. Beides sind wichtige finanzielle Einnahmequellen für Rechtsextremisten.

Die rechtsextremistische subkulturelle Szene bevorzugt Musikstilrichtungen wie „R.A.C.“[1] und „Hardcore“[2] bzw. „Hatecore“[3]. Dieser „Rechtsrock“ ist geprägt von aggressiven Texten und zumeist hämmernden Rhythmen. In den Liedern werden Rassismus und Gewalt propagiert, das NS-Regime verherrlicht und der Kampf gegen das verhasste demokratische System beschrieben. In den Texten wird zum Teil auch einem Germanen- und Wikingerkult gehuldigt. Politische Inhalte werden zudem auch im Balladenstil vorgetragen. Eine in der Szene beliebte Musikstilrichtung ist der sog. „NSBM“[4]. Diese von der Black-Metal-Musik abgeleitete Stilrichtung bezieht sich in ihrer Ausrichtung auf den historischen Nationalsozialismus. Mit dem Umzug der beiden rechtsextremistischen Musiker Prototyp und Primus nach Sachsen agieren seit 2020 zudem zwei Vertreter der Musikstilrichtung „Rapmusik“ im Freistaat.

 

[1] Rock against Communism“ – Rock gegen Kommunismus

[2] US-amerikanische Weiterentwicklung der „Punk“-Musik – im Stil schnell und hart

[3] wie „Hardcore“, jedoch mit härteren, hasserfüllten Texten. Der Begriff „Hatecore“ war ursprünglich nicht rechtsextremistisch ausgerichtet, wird aber mittlerweile in erster Linie von rechtsextremistischen Bands besetzt.

[4] „NSBM“ steht für NS-Black Metal und bezeichnet den Teil der Metal-Szene, der sich in seiner Musik und seiner Ausrichtung auf den historischen Nationalsozialismus bezieht.

Die Entwicklung der rechtsextremistischen Musikszene im Freistaat Sachsen war im Berichtsjahr durch die Corona-Beschränkungen beeinflusst und geprägt. Geplante Konzerte wurden entweder abgesagt oder fanden vereinzelt unter entsprechenden Einschränkungen statt. Darüber hinaus konnten einzelne konspirativ organisierte Konzerte bzw. Liederabende festgestellt werden.

So fanden im Berichtsjahr coronabedingt mit insgesamt 14 Konzerten (2019: 24), elf Liederabenden (2019: 22) und elf sonstigen Musikveranstaltungen (2019: 27) weitaus weniger rechtsextremistische Musikveranstaltungen statt als im Jahr 2019.

Grafik über Durchgeführte rechtsextremistische Konzerte in Sachsen © LfV Sachsen

Die nachfolgenden Tabellen beinhalten Übersichten über rechtsextremistische Konzertveranstaltungen, Liederabende und sonstige Musikveranstaltungen, welche im Berichtsjahr öffentlich genannt werden können.

Konzertveranstaltungen

Liste rechtsextremistischer Konzertveranstaltungen 2020 © LfV Sachsen

Liederabende und sonstige Musikveranstaltungen

Liste rechtsextremistischer Liederabende und sonstiger Musikveranstaltungen 2020 © LfV Sachsen

Im wohl wichtigsten Konzertobjekt der sächsischen rechtsextremistischen Szene, dem ehemaligen Gasthof in Torgau, OT Staupitz (Lkr. Nordsachsen), fanden insgesamt fünf von zehn behördlich[5] genehmigten Konzertveranstaltungen statt. Die Organisatoren versuchten nach Abklingen der ersten „Corona-Welle“ ab September 2020 verstärkt, das Konzertgeschehen zu reaktivieren. Unter Auflagen fanden schließlich im September und Oktober insgesamt drei Veranstaltungen mit reduzierter Teilnehmerzahl statt. Von der Durchführung weiterer Konzerte wurde abgesehen, als sich gegen Ende des Jahres wieder ein ansteigendes Infektionsgeschehen abzeichnete.

Der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Thorsten HEISE versuchte auch im Berichtsjahr, Großveranstaltungen mit Auftritten von rechtsextremistischen Liedermachern und Bands in Ostritz (Lkr. Görlitz) zu organisieren. In der Liegenschaft des Hotels „Neißeblick“ fanden in der Vergangenheit unter dem Motto „Schild und Schwert Festival“ Großveranstaltungen mit Teilnehmerzahlen bis zu einer vierstelligen Höhe statt.[6] Im Juni sowie im September meldete HEISE diese Veranstaltung abermals als öffentliche Versammlung an. Es war ihm jedoch aufgrund der Auflagen im Rahmen der Corona-Beschränkungen unmöglich, diese Veranstaltungen so wie ursprünglich geplant durchzuführen. Deshalb sagte er sie schließlich ab.

Die Polizei löste im Berichtsjahr in den Landkreisen Sächsische Schweiz–Osterzgebirge und Bautzen zwei konspirativ organisierte rechtsextremistische Musikveranstaltungen auf: Am 12. September fand in Kleinwelka (Lkr. Bautzen) eine Konzertveranstaltung mit ca. 50 Teilnehmern statt. Nach Feststellung von Musiktexten mit nationalsozialistischer Gesinnung und „Heil Hitler“-Rufen beendete die Polizei diese Veranstaltung.
Rechtsextremisten organisierten eine weitere Musikveranstaltung konspirativ am 10. Oktober in Gohrisch (OT Kleinhennersdorf). Die Polizei löste diese Veranstaltung auf und stellte die Personalien von 33 Teilnehmern fest. Es stellte sich heraus, dass unter den Teilnehmern ehemalige Mitglieder der verbotenen Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) waren.

 

[5] Unabhängig von Corona-Beschränkungsmaßnahmen dürfen in dem Gasthof in Torgau, OT Staupitz jährlich nur zehn Konzerte stattfinden.

[6] vgl. hierzu Ausführungen in den Sächsischen Verfassungsschutzberichten der Jahre 2018 und 2019

Im Berichtsjahr konnten ungeachtet der Corona-Beschränkungen Aktivitäten von insgesamt 22 rechtsextremistischen Musikgruppen, Liedermachern bzw. Einzelinterpreten festgestellt werden. Drei Musiker verlegten ihren Wohnort nach Sachsen. Eine Band konnte nach Identifizierung ihrer Mitglieder dem Freistaat Sachsen zugeordnet werden. Vier neue Bands bzw. Interpreten wurden bekannt, und eine seit 2019 aktive Musikgruppe konnte dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet werden. Die Musikgruppen bzw. Einzelinterpreten gaben insgesamt neun Alben heraus, beteiligten sich an vier Samplern und einer Split-CD.

Nachfolgend werden die im Freistaat Sachsen im Jahr 2020 auffälligsten Entwicklungen im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Musikern und Musikgruppen beschrieben:

Band Feindnah

Seit 2019 tritt bei verschiedenen rechtsextremistischen Konzertveranstaltungen die Band Feindnah auf. Dabei waren die Musiker stets bemüht, ihre Identität zu verschleiern. Dies führte sogar dazu, dass die Musikgruppe zum „Tag der Nationalen Bewegung“ am 6. Juli 2019 in Themar (Thüringen) hinter einem Vorhang auftrat. Einem Hinweis aus dem Internet im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung folgend konnte schließlich festgestellt werden, dass Mitglieder dieser Band aus Wurzen stammen und zum Teil Mitglieder in der bis 2014 aktiven rechtsextremistischen Terror Crew Muldental waren.
Feindnah gab bisher zwei Tonträger heraus. Im Jahr 2018 erschien eine Demo-CD, und 2019 folgte das Album „Odyssee“. Das Album beinhaltet rechtsextremistische und nationalsozialistische Elemente. Die Texte stellen aggressiv-kämpferische Mittel als legitime Werkzeuge für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel in Form eines gewaltsamen Umsturzes dar. Ein Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus wird im Booklet hergestellt. Dort ist das Symbol eines mit einem Hammer gekreuzten Schwertes abgebildet. Dieses Zeichen symbolisierte während der NS-Diktatur die Gemeinschaft von Soldaten und Arbeitern und ist in der rechtsextremistischen Szene verbreitet.

Im Lied „Freund und Helfer“ wird die Polizei als Institution zur Durchsetzung eines „kranken Wahns“ beschrieben. Polizisten seien demnach „Sklaven des Systems“ ohne Mitspracherecht, die die „Freien in den Untergang treiben“.

Im Lied „Dran, Drauf, Drüber“ rufen die Interpreten konkret zum Kampf gegen „diese Republik“ auf: „Eine Jugend schreit nach Wende – Niemand diesen Schrei erstickt. Auf die Straßen, in den Gassen gegen diese Republik. Ihr seid die Erben, seid das Bollwerk – die einz‘ge Möglichkeit. Dran, drauf, drüber – niemals Untergang. Kämpft wie früher – Mann für Mann. Niemals Einhalt. Es ist unsere Zeit. Im Kampf um Freiheit sind wir zu allem bereit.“ Die Zeile „Im Kampf um Freiheit sind wir zu allem bereit“ lässt darauf schließen, dass die Interpreten dabei auch die Anwendung aggressiv-kämpferischer Mittel zur Erreichung ihrer politischen Ziele einschließen. Dies zeigt sich vor allem im Lied „Die Tat“: „Eisen zur Hand. Laut die Fanfaren: Sie künden unseren Krieg. […] Und ist der Feind die Übermacht, kämpfen wir wie Spartiaten. Schild an Schild, Speer an Speer. Während sie feige träumen werden wir immer mehr. Feindnah […] Keinen Kampf zu scheuen.“

Band UltRACockS

Im April 2020 warb die sächsische rechtsextremistische Band True Aggression für das Album „Rock against Crybabies“ der bisher unbekannten Band UltRACockS. Bei einem Internetversand heißt es dazu: „Und so schmettern uns hier Mitglieder von True Aggression 12 Songs und ein Intro vor die Füße, welche mit ihrer direkten Art und im zackigen Tempo alle Freunde des flotten und punkigen RACs begeistern sollten.“ Bereits der Schriftzug des Bandnamens UltRACockS verweist auf die rechtsextremistische Ausrichtung der Band. Die extra groß geschriebenen Buchstaben RAC stehen für die Abkürzung „Rock Against Communism“ – eine in der rechtsextremistischen Musikszene verwendete Musikstilrichtung. Auch aus den Anfangsbuchstaben des Albumtitels sind die drei Buchstaben RAC erkennbar.

Im titelgebenden Song glorifiziert die Band zudem rechtsextremistische Musikgruppen: „Skrewdriver, Brutal Attack[7] und all diese Legenden, schufen eine Tradition, und wir bleiben am Ball. Die Zukunft unserer Kultur, sie liegt in unseren Händen. RAC! Back with bang! Zurück mit einem Knall!“

Im Lied „Mein Traum“ verdeutlicht die Band, „eine echte Wende“ zu wollen, da „das System eine Scheinwelt“ sei. Vom „wahren Deutschland“ sei die „BRD (…) allenfalls ein schlechter Klon“.  

Im Lied „Es ist an uns!“ heißt es verschwörungstheoretisch: „Alles was geschieht, läuft hier nach Plan. Es läuft nach Plan, seit über hundert Jahren. Des Volkes Seele strebt ans Licht, doch sie darf nicht sich gänzlich offenbaren. (…) Umerzogen und belogen, fehlgeleitet und betrogen, Hand in Hand mit Mammons Schergen gehen“. Die Textanspielung auf einen großen Plan, der über hundert Jahre laufe und offenbar von „Mammons Schergen“ ausgehe, zeigt deutliche Bezüge zum in der rechtsextremistischen Szene tief verankerten Mythos einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung auf.

Band Front776

Auf dem Telegram-Kanal des sächsischen rechtsextremistischen Vertriebes PC-Records wurde im Mai 2020 auf die neue sächsische Band Front776 hingewiesen. Dazu wurde ein offizielles Video zum Debüt-Album dieser Band eingestellt, welches im Sommer 2020 unter dem Titel „14.07.1976“ bei PCRecords erschien. Bei dem Sänger der Band soll es sich um den sächsischen Liedermacher Schratt handeln, der auch als Rac’n’Roll-Teufel auftritt. Darüber hinaus wurde in einer Tonträgerbeschreibung angegeben, dass in dieser neuen Band Mitglieder der ehemaligen sächsischen Band Blitzkrieg mitwirken.

Das Erstlingswerk dieser Musikgruppe weist positive Bezüge zur Zeit des Nationalsozialismus auf. Außerdem beinhalten Passagen dieses Tonträgers fremdenfeindliche und staatsverunglimpfende Aussagen. Mit dem verbalen Angriff auf die höchste Repräsentantin der Regierung in einer beleidigenden Art und Weise zielt die Band auf eine Verächtlichmachung des gesamten politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland und damit auch auf eine Verächtlichmachung der parlamentarischen Demokratie ab. Der in der rechtsextremistischen Szene vorhandene Hass auf das parlamentarische, demokratisch legitimierte System soll so geschürt werden.

Im Lied „Front776“ beschreibt die Band ihr Selbstverständnis. Als Vorbilder sieht sie „Deutsche, noch vom alten Schlage“, welche „Wehrhaft (…) und schlachtgestählt“ waren. Man wolle im „Geiste alter Recken“ stehen, „wie es einst ein Peiper tat, der allein im Sommer 76 dem roten Mob entgegentrat“. In diesem Lied, im Bandnamen sowie im Titel „Peipers letzte Schlacht“ bringt diese Musikgruppe ihre Verehrung für den ehemaligen Adjutanten Himmlers, Führer der Waffen-SS sowie Kriegsverbrecher Joachim Peiper zum Ausdruck, welcher am 14.07.1976 infolge eines Schusswechsels in Traves (Frankreich) ums Leben kam.

Im Lied „Hände weg“ fordert die Band „Hände weg vom Deutschen Reich“. Der deutsche Staat wird als „Umvolkungsapparat“ verunglimpft, welcher einen „Flüchtlingsstrom“ in Marsch setzte, um „alle zu verdrängen“. Um den Staat zu sichern „werde das Volk zersetzt“. Ihn wolle man zu Fall bringen „für die Prostitution des deutschen Landes […] die Unterdrückung und Umerziehung“.

Im Lied „Halts Maul“ wird die Bundeskanzlerin beleidigt und verbal angegriffen: „Der alte Wohlstand ist verschwunden, die Rücklagen sind verprasst. Niemals wurde hier in Deutschland je ein Kanzler so gehasst. Und mit abgespreizten Fingern – aufgedunsen, fett und weich. Ein Geschlechtsorgan zu formen macht uns auch nicht wieder reich. Merkel halts Maul! Keiner will mehr deine Eide hören! Merkel halts Maul! Keine Sau braucht dich hier.“

Band Ethos

Im März 2020 wurde auf Facebook eine neue Band unter der Bezeichnung Ethos bekannt und auf deren Internetseite ein erstes Album angekündigt. In einer Beschreibung des Tonträgers mit der Bezeichnung „Zeitgeist“ heißt es: „Ethos bezeichnet bildungssprachlich die sittliche Gesinnung einer Person, einer Gemeinschaft oder speziellen sozialen Gruppe. Der Künstler kann auf eine lange Vita in politischer Musik zurückblicken und hat nun endlich sein Soloprojekt realisieren können.“ Hinter Ethos verbirgt sich ein aus Leipzig stammender Gitarrist der Band FLAK[8]. Ein auf Facebook gepostetes Foto vom Probenraum lässt darauf schließen, dass dieses „Soloprojekt“ aus mindestens drei Musikern besteht. Am Erstlingswerk „Zeitgeist“ soll auch der Sänger der Band FLAK mitgewirkt haben. Der Tonträger bestätigt, dass es sich bei dieser Band um eine rechtsextremistische Musikgruppe handelt.

So beschreibt das Lied „Eiszeit“ die „BRD“ als ein Land, in dem es „politisch arrangiert“ sei, dass die Demokratie mit „Dehumanisierung“ und „Gewalt“ agiere. Mit „schwarzen Fahnen“ werde das „Volk vereint zum Schwert“ greifen, um „uns erneut (zu) befreien“.

Das Lied „Replacement Migration“ thematisiert den von Rechtsextremisten propagierten verschwörungstheoretischen Ansatz der Vernichtung des deutschen Volkes durch einen „Austausch“. „Replacement und Austausch“ seien „die letzten Symptome ihrer Besetzung“. „Mit Propaganda dein Weltbild geformt, mit Humanismus dein Hirn wird genormt. Replacement Migration Vermischung Zersetzung, die letzten Symptome ihrer Besetzung. (…) Was mit Deutschland geschieht auf Brechen und Biegen, den Austausch vollziehen. (…) Sie importieren Wähler und siedeln sich an, gelockt wird durch Frauen und Iman.“

Im Lied „Der Sonne entgegen“ ist ein Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus erkennbar. Nicht nur die dem SS-Leitspruch „Unsere Ehre heißt Treue“ ähnelnde Textzeile „Unsere Fahne heißt Treue“, sondern auch die Erwähnung einer Fahne mit Sonnenzeichen[9] belegt dies. „Wir marschieren mit festem Schritt voraus, für den Glauben, der uns bewegt. Unsere Fahne heißt Treue, unser Herz für Deutschland schlägt. Bald schon wehet stolz von jedem Haus, dass die Welt es sehen kann. Unsere Fahne der Hoffnung, mit dem Sonnenzeichen daran.“

Band Der Tod und die Landsknechte

Dem Musikspektrum NS-Black Metal (NSBM) ist die Band Der Tod und die Landsknechte zuzuordnen. Die Band trat bereits 2019 bei einem NSBM-Konzert in Torgau (OT Staupitz) auf. Über diese Musikveranstaltung wurde auf einer Internetseite berichtet: „Viele werden bereits wissen, als was sich der Überraschungsgast entpuppt hat, ‘Der Tod und die Landsknechte‘ gaben ihr Bühnendebüt und Wolf (Absurd [...]) kehrte nach jahrelanger Abstinenz mit einem Donnerschlag zurück. Ausgerüstet mit Axt und Brustpanzer betrat dieser die Bühne und schrie sich die Seele aus dem Leib, während Bile an der Gitarre und die weiteren Landsknechte ihr Bestes an den Instrumenten gaben […] Als Abschluss des leider viel zu schnell endenden Auftritts wurde sogar ein Feuerspucker eingesetzt, während als musikalische Begleitung zum Anzünden des Publikums der Klassiker ‘Pesttanz‘ von Absurd zum Besten gegeben wurde.“

Bei „Bile“ handelt es sich um einen aus Sachsen stammenden Musiker der rechtsextremistischen Band Leichenzug. Die Band Absurd ist eine bekannte NSBM-Band aus Thüringen. Ihr Lied „Pesttanz“ ist auf mehreren Tonträgern der Musikgruppe enthalten und war indizierungsrelevant. In einer diesbezüglichen Entscheidung zum Tonträger „Der fünfzehnjährige Krieg“ wurde angeführt, dass u. a. das Lied „Pesttanz“ zum Rassenhass anreize.

Dies belegen Textpassagen wie diese: „Widerstehend der Ärzte Kunst, nutzend jetzt der Stunde Gunst. Was da atmet muss nun sterben, auf dass die Welt gereinigt werde. Mordend Juden und Christenheit, lüstern, voller Grausamkeit. Massengräber füllen sich, holde Pest wir grüßen dich.“ Der Tod und die Landsknechte gab bisher zwei Tonträger heraus. Im Jahr 2018 erschien das Album „Söhne des Teufels“, im Berichtsjahr erschien „Allzeit bereit“.

Liedermacher Benjamin Gruhn

Der Liedermacher Benjamin Gruhn trat im Berichtsjahr als Liedermacher und Redner bei zwei Kundgebungen der NPD in Dresden auf. Er selbst gibt auf seiner Facebook-Seite an, NPD- und JN-Mitglied zu sein. GRUHN trat seit 2018 bei verschiedenen rechtsextremistischen Demonstrationen als Redner in Erscheinung. Am 18. August 2018 war er Anmelder, Leiter und Redner einer unter dem Motto „Deutsch und Stolz darauf“ stehenden Demonstration in Chemnitz. GRUHN veröffentlichte bisher auf seinem YouTube-Kanal Cover-Versionen verschiedener Lieder, darunter auch einen Song der verbotenen rechtsextremistischen Musikgruppe Landser[10].

Liedermacherin Aria/Aria S

Die aus dem Landkreis Bautzen stammende und seit 2014 aktive Liedermacherin Aria/Aria S kehrte im Berichtsjahr wieder in ihre Heimat zurück. Sie spielte bisher als Bassistin in einer rechtsextremistischen Band und beteiligte sich mit dem Titel „Endlos unmodern“ am Sampler „Punikoff hört rein Vol.2“. Dazu schreibt sie: „Zu meinem Samplerbeitrag ‚endlos unmodern‘ muss ich keine großen Reden schwingen. Unsere Weltanschauung wird vom Feind als alt und unmodern dargestellt.“ Wessen Weltanschauung damit gemeint ist, verdeutlichen ihre Auftritte bei Veranstaltungen verschiedener rechtsextremistischer Bestrebungen wie den Parteien NPD, Der dritte Weg oder Die Rechte. Im Dezember 2019 spielte sie bei einer Veranstaltung der Partei Der dritte Weg in Plauen. Ihren wohl größten Auftritt hatte sie beim „Tag der Nationalen Bewegung“ in Themar im Jahr 2019. Dort trat sie vor bis zu 920 Personen auf.

Musiker Prototyp und Primus

Mit dem Zuzug der beiden rechtsextremistischen Musiker Prototyp (Kai Alexander NAGGERT) und Primus (Andre LAAF) in den Landkreis Bautzen[11] sind erstmals im Freistaat Sachsen rechtsextremistische Interpreten der Stilrichtung Rapmusik vertreten. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Rapper Prototyp spielte in der Vergangenheit unter dem Label „Neuer Deutscher Standard“ zusammen mit dem bayerischen Rapper Chris ARES.[12] Beide sind dem Umfeld der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB) zuzuordnen und veröffentlichten 2019 das Musikvideo „Neuer Deutscher Standard“, welches kurzfristig vordere Plätze in Charts von Download-Portalen bei iTunes und Amazon erreichte. Im Jahr 2020 folgte das Musikvideo „Neuer Deutscher Standard 2“, in dem zusätzlich der ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammende Rapper Primus auftrat. Nach dem Umzug der beiden Musiker Prototyp und Primus nach Sachsen erklärte Chris ARES überraschend seinen Rückzug aus der Szene und trat seitdem nicht mehr in Erscheinung. Prototyp gab gegen Ende des Jahres über das auch von Chris ARES genutzte Label „Arcadi-Musik“ das Album „Feuer“ heraus, an dem sich u. a. auch Primus beteiligte.

In ihrer Musik bringen diese Rapper ihren Hass gegen Rapper mit Migrationshintergrund, deren Werte und Religion sowie gegen den Staat zum Ausdruck. Im Gegensatz zu diesen verunglimpften Rappern mit Migrationshintergrund sehen sie sich selbst als „echte deutsche Rapper“, die „aufrecht stehen, absolut, grade gehen“ und „Deutsches Blut“ haben.

Im Lied „Deutschland“ singt Prototyp: „Ich gehe raus und sehe das Schicksal meiner Heimat. Sehe, wie das Volk krepiert, gelenkt von diesem scheiß Staat. Ich heb die Faust und steh mit Tausenden vorm Reichstag. Auf die Straße, reiht euch ein, solange ihr noch Zeit habt.“

Das Lied „Neuer Deutscher Standard“ verbreitet eine mit ethnischem Nationalismus gekoppelte Widerstandsrhetorik und greift deutsche Rapper an, die oft einen Migrationshintergrund haben: „Deutscher Rap besteht aus Nutten, die von Geld und Drogen reden. Wir sind NDS und uns‘re Welle wird jetzt losgetreten. Wir machen die Deutschen stolz, das ganze Land steht auf dem Kopf […] Prototyp Patriot, Polizei Aufgebot, Medien eskalieren, predigen Sprechverbot. Diese zwei, unbesiegt, sind bereit, Infokrieg. Sicherheit lächerlich, sind befreit, Messerstich. Aufrecht stehen, absolut, gerade geh‘n, Deutsches Blut. Patrioten die sich wehr‘n, wir ham‘ von dem Scheiß genug. BRD hart gestört, BND abgehört. Doch wir zwei weichen nicht bis uns das Land gehört. […] Geh mal lieber weg mit deiner Autotune Migrantenbande. Sie fordern Maulkorb, was wir machen ist für sie nur Hetze. Wir mach‘n das Maul auf, nicht zu brechen wie Naturgesetze.“

Der Hass auf andere Rapper mit Migrationshintergrund zeigt sich auch im Lied „Neuer Deutscher Standard 2“. Dort werden „Deutsche Rapper“ als „Modepüppchen zugepierct, Crystal Meth und ziemlich Gay“ verunglimpft. Man sei kein „Großfamilienklan“ und verkaufe „keine Drogen auf dem Boden uns’rer Ahnen […] Deutschrap hat sich jahrelang nur prostituiert (ja) Wir schlagen seine Zuhälter, die Fotzen verlier‘n. […] Dann endet es wie Teutoburg-Germanen, wenn sie wütend sind Roll‘ mit deiner Drecksreligion, wir werden uns‘ren Willen wahren. Ich will nach Walhalla zu den Helden meiner Kindheitstage.“

Auch im neuen Album „Feuer“ setzen die Interpreten auf den Kontrast zwischen der eigenen heroischen Darstellung als nationale Patrioten und der verächtlichen Darstellung der erklärten Feinde: „Ich drück mich aus für unser Land ihr drückt’s euch hart in Venen. […] Die halbe Deutsche Szene macht auf Möchtegern Araber, lieber fress ich nur Dreck als eine Köfte […] Das ist neuer deutscher Standard wir tun alle für Germania. Radikal für die Heimat bin ich wie ein Bodyguard. […] Erst kommt der Funke, dann kommt der Brand, Rap für die Heimat, Rap für mein Land. Rap für die Freundschaft ich Rap für das Licht. Rap für mein Deutschland, das Feuer bin ich.“

 

[7] Bei Skrewdriver handelt es sich um eine ehemalige und bei Brutal Attack um eine noch aktive rechtsextremistische Musikgruppe aus England. Beide Bands gelten als Gründer des neonationalsozialistischen Netzwerkes Blood and Honour und verfügen über ein renommiertes Ansehen innerhalb der rechtsextremistischen Szene.

[8] vgl. Beitrag II. 2.7.7 Leipzig Stadt

[9] Im Textzusammenhang gesehen ist anzunehmen, dass hiermit eine Hakenkreuzfahne oder eine Fahne mit Sonnenkranz gemeint ist. Die schwarze Sonne ist ein nationalsozialistisches Symbol, welches in der Mitte des ehemaligen SS-Obergruppenführersaals in der Wevelsburg (Nordrhein-Westfalen) zu sehen ist. Es wurde in der neonationalsozialistischen Szene nach 1945 als Ersatz für das in Deutschland verbotene Hakenkreuz verwendet.

[10] Das Berliner Kammergericht verurteilte die Mitglieder der rechtsextremistischen Band Landser im Jahr 2003 wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Tateinheit mit der Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, der Billigung von Straftaten, der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole sowie der Beschimpfung von Bekenntnissen zu Geld- und Haftstrafen.

[11] vgl. Beitrag II.2.7.1 Landkreis Bautzen

[12] vgl. Beitrag II.2.7.1 Landkreis Bautzen

Es zeigte sich im Berichtsjahr sehr deutlich, dass die rechtsextremistische Musikszene in Sachsen ungeachtet der Corona-Beschränkungen betriebsam war und sich weiterentwickelt hat. Diese Entwicklung schlug sich in zahlreichen Aktivitäten rechtsextremistischer Musikgruppen, Liedermacher und Einzelinterpreten, der Neugründung von Bands und im Zuzug von Vertretern einer erstmals nun auch im Freistaat Sachsen vorzufindenden rechtsextremistischen Musikrichtung nieder. Es wurden Aktivitäten von 22 dem Freistaat Sachsen zuzuordnenden rechtsextremistischen Musikgruppen, Liedermachern bzw. Einzelinterpreten bekannt. Vier neue Bands entstanden und drei Musiker verlegten ihren Wohnsitz in den Freistaat. Damit verbunden konnte sich erstmals auch ein neuer Musikstil in dieser Szene verankern. Nur den Corona-Beschränkungen war es geschuldet, dass das rechtsextremistische Konzertgeschehen im Berichtsjahr deutlich unter dem Niveau des Vorjahres blieb.

Diese Entwicklungen verdeutlichen die Bedeutung der rechtsextremistischen Szene im Freistaat Sachsen für die Vertreter der entsprechenden Musikszene. Die hiesige Szene mit ihrem hohen Personenpotenzial ist ein für rechtsextremistische Musiker attraktiver Markt, den es zu pflegen und auszubauen gilt. Auch durch Zuzüge rechtsextremistischer Rapper in den Freistaat Sachsen, die eine hier bisher noch nicht aktive Musikrichtung vertreten, scheint die Szene sich neue Verbreitungsgebiete, neue Anhänger sowie Abnehmer und somit auch neue Einnahmequellen erschließen zu wollen.

Schließlich ist die Organisation von Konzertveranstaltungen für rechtsextremistische Labels ein wichtiges Mittel für kommerzielle Erfolge. Zum einen fließen den Veranstaltern bzw. vertretenen Labels Einnahmen aus dem Kartenverkauf bzw. dem Verkauf von Tonträgern und Merchandise-Artikeln zu. Zum anderen dienen die Veranstaltungen auch der Werbung für Produktionen der auftretenden Bands. Es ist deshalb nach Abklingen der Pandemie zu erwarten, dass die rechtsextremistische Musikszene ihre Aktivitäten insgesamt wieder steigern wird.

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