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Jihadistischer Salafismus

Die wichtigste Organisation des jihadistischen Salafismus ist der sog. Islamische Staat (IS). Ursprüng-
lich aus der Terrororganisation Al-Qaida hervorgegangen, gelang es dem IS im Jahr 2014 unter sei-
nem damaligen Anführer AL-BAGHDADI, weite Gebiete im Irak und Syrien zu erobern. Mit der Rück-
eroberung der irakischen Großstadt Mossul durch irakische Sicherheitskräfte im Juli 2017 verlor der
IS schrittweise seine wichtigsten organisatorischen Zentren und Gebiete. Im März 2019 musste der
IS das letzte von ihm kontrollierte Territorium aufgeben. Die Terrororganisation verfügt im Irak und
in Syrien jedoch weiterhin über Stützpunkte im Untergrund sowie über Kämpfer, Unterstützer und
Sympathisanten. Anhänger des IS bzw. dessen Ableger sind aber auch außerhalb Syriens bzw. des
Iraks in der Lage, Anschläge auszuführen. Insbesondere in Afrika richtet der Ableger Islamischer Staat
Provinz Zentralafrika regelrechte Blutbäder gegen die Zivilbevölkerung an.

Für die Gefährdungslage im Berichtsjahr weiterhin relevant ist der in Afghanistan beheimatete IS-
Ableger Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK). Mithilfe seiner professionellen und wirkmächtigen
Rekrutierungspropaganda sowie des Anschlusses anderer regionaler Terrorgruppen gelang es ihm,
sein Personenpotenzial auszubauen. Es umfasst neben Afghanen und Pakistanern auch Zentral­
asiaten.

Obwohl das Hauptziel des ISPK ist, ein auf seiner Ideologie basierendes Kalifat in Zentralasien zu er-
richten, gab es bereits im Jahr 2017 erste Hinweise darauf, dass der ISPK zugleich daran interessiert
war, sein Aktionsfeld zur Stärkung seiner Reputation innerhalb der jihadistischen Szene bis nach
Europa auszuweiten. Dies geschah z. B. durch die Entsendung von rekrutierten Jihadisten aus Zen-
tralasien nach Europa mit dem Ziel, hier Anschläge zu verüben. Die Bedrohungslage in Deutschland
wurde z. B. im März 2024 erkennbar, als in Thüringen zwei afghanische Staatsbürger festgenommen
wurden, die im Auftrag des ISPK mit Gewehren einen Anschlag im schwedischen Parlament verüben
wollten. Der geplante Anschlag sollte als Vergeltung für Koranverbrennungen in Schweden dienen.
Des Weiteren drohte der ISPK durch seinen Medienarm »X« auch im Jahr 2025 mit Anschlägen in
Deutschland. Wenngleich im Berichtsjahr keine Anschläge von Anhängern bzw. Mitgliedern des
ISPK in Deutschland zu verzeichnen waren, gilt diese Gruppierung als gefährlichster IS-Ableger in
Europa, von dem auch weiterhin eine abstrakt hohe Gefahr ausgeht.

Eng verknüpft mit der Terrororganisation Islamischer Staat ist auch die sog. Islamistische Nordkaukasische
Szene (INS). Die INS umfasst Personen nordkaukasischer Ethnien, wie zum Beispiel aus Tschetsche-
nien, Dagestan und Inguschetien mit zumeist russischer Staatsbürgerschaft. Die INS weist stark abgeschottete Strukturen, eine hohe Gewaltbereitschaft sowie umfangreiche Vernetzungen auch in
kriminelle Milieus auf. Zudem können Personen hier auf lange existierende und transnational aktive
Strukturen zurückgreifen. Diese sind in der Lage, sehr flexibel auf Verfolgungsdruck beispielsweise
durch Sicherheitsbehörden zu reagieren und sich zu reorganisieren. Ideologisch steht ein großer Teil
des in Deutschland zur INS gerechneten Personenpotenzials der Ideologie des IS nahe.

Wie in den Jahren zuvor, erhielt das LfV Sachsen auch im Berichtsjahr eine Vielzahl von Hinweisen
mit Bezug zum jihadistischen Salafismus. Die Spannweite reichte hierbei von nicht plausiblen Be-
schuldigungen bis hin zu wertigen Sachverhalten. Die Bearbeitung der Hinweise erfolgte in engem
Austausch mit dem Landeskriminalamt (LKA) Sachsen, dem Gemeinsamen Terrorismusabwehrzen­
trum (GTAZ) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie über das BfV mit internationa-
len Sicherheitsbehörden.

Auch im Berichtsjahr blieb Sachsen nicht von Sachverhalten mit Bezügen zum jihadistischen Sala-
fismus verschont.

Die Bundesanwaltschaft erhob z. B. am 18. Juli 2025 vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts
in Berlin Anklage gegen den syrischen, in Leipzig wohnhaften Staatsangehörigen Wassim Al M. Aus
einer radikal-islamistischen und antisemitischen Einstellung heraus hatte der damals 19-Jährige
sich entschlossen, am 21. Februar 2025 von Leipzig nach Berlin zu reisen und dort einen Messeran-
griff auf vermeintlich Ungläubige zu verüben, die er als Repräsentanten der von ihm abgelehnten
westlichen Gesellschaftsform ansah. Am frühen Abend desselben Tages griff er im Stelenfeld des
Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin-Mitte einen spanischen Touristen, den er für
einen Juden hielt, mit einem Messer von hinten an und verletzte ihn lebensgefährlich. Kurz zuvor
hatte der Täter über einen Messenger-Dienst ein Foto von sich an Mitglieder des IS geschickt, um
der Vereinigung die Möglichkeit zu eröffnen, sich zu der Tat zu bekennen. Wassim Al M. wurde noch
am selben Abend festgenommen.

Für Schlagzeilen mit Bezug zur INS sorgte zudem die Festnahme eines Minderjährigen tschetsche-
nischer Herkunft in Plauen (Vogtlandkreis) am 25. August. Er soll im Vorfeld in den sozialen Medien
mit einem jihadistisch motivierten Anschlag gedroht haben. Bei Exekutivmaßnahmen im Rahmen
des »Nationalen Aktionstages gegen islamistische Propaganda im Internet« am 13. November wur-
den Räumlichkeiten von vier jungen Menschen durchsucht. Zwei von ihnen waren 19 bzw. 20 Jahre
alt und gaben sich als russische Staatsangehörige aus. Bei den anderen beiden Personen handelte es
sich um einen 16-jährigen Deutschen sowie einen 21-jährigen Syrer.

Anhand dieser Beispiele ist erkennbar, dass insbesondere die jihadistische Ideologie eine hohe Anzie-
hungskraft auf junge Menschen auch hierzulande ausübt. Diese Entwicklung zu beobachten, bleibt
ein Arbeitsschwerpunkt des LfV Sachsen.

Zudem sind die Auswirkungen des zerschlagenen »Kalifats« des IS in Syrien bis nach Sachsen spür-
bar: Am 2. Dezember erfolgte die Festnahme zweier irakischer Staatsangehöriger in Delbrück (Nord-
rhein-Westfalen) und Trier (Rheinland-Pfalz). Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2016 und 2017
für mehrere Monate Mitglieder des IS im Irak gewesen zu sein. In diesem Fall gab es auch Bezüge
nach Sachsen. So erfolgte im Rahmen der Festnahme eine Wohnungsdurchsuchung bei einem wei-
teren Beschuldigten in Chemnitz.

Im Berichtsjahr kam es weder zu Rückführungen noch zu Rückreisen von Personen aus Sachsen,
die mit dem IS sympathisierten, in Kriegs- bzw. Kampfgebiete ausgereist waren und sich dem IS
angeschlossen haben.

Gerade der politische Salafismus als dynamischste islamistische Bewegung bietet mit seiner Ideo-
logie einen gefährlichen Nährboden, der unter Umständen zur Radikalisierung von Personen führen
und damit auch als »Durchlauferhitzer« bzw. Katalysator bezüglich einer jihadistischen Islamausle-
gung dienen kann.

Wegen der immer weiter zunehmenden und schwer eingrenzbaren Verbreitung salafistischer Inhalte
in den sozialen Medien und Messengerdiensten (Stichwort »TikTokisierung«) ist damit zu rechnen,
dass die Anhängerzahl dieser verfassungsfeindlichen Ideologie deutschlandweit, und damit auch in
Sachsen, mittel- bis langfristig zunehmen kann. Zudem ist von einem entsprechenden »Dunkelfeld«
auszugehen.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der radikalisierende Einfluss salafistischer
und jihadistischer Propaganda auf Jugendliche, die sich in einer Identitätsfindungsphase befinden
und daher als besonders anfällig für salafistische Missionierungs- und Indoktrinierungsversuche
der oftmals charismatischen und redegewandten salafistischen Prediger sowie der jihadistischen
Propaganda allgemein gelten. Auch im Islamismus lässt sich feststellen, dass Indoktrinierung und
Radikalisierung nicht nur in kleinen konspirativen Zirkeln, sondern verstärkt in den sozialen Medien
stattfinden. Junge Influencer gelten als bereitwillige Sprachrohre für die Verbreitung der salafisti-
schen Propaganda.

Die Aktionspotenziale im Bereich des jihadistischen Salafismus sind in Deutschland stark von glo-
balen Aspekten beeinflusst und eng verknüpft mit der Handlungsfähigkeit des IS. Die abstrakt hohe
Gefährdungslage war im Berichtsjahr aufgrund des Erstarkens des ISPK und dessen vermehrt über-
regionaler Agenda sowie wegen der starken Emotionalisierungen infolge des Nahost-Konflikts be-
sonders angespannt.

Sie besteht unverändert auch für das Jahr 2026 fort. Wie in den Vorjahren geht die größte Gefahr
vor allem von durch den IS inspirierten Einzeltätern aus, die versuchen, mit leicht zu beschaffen-
den Tatmitteln möglichst viele Menschen zu töten. Zudem entspricht die Durchführung von Seiten der Terrororganisationen selbst gesteuerten, komplexen und groß angelegten Anschlägen weiterhin
ganz der jihadistischen Ideologie.

Der Nahost-Konflikt dient darüber hinaus als Projektionsfläche, um antisemitische Propaganda zu
verbreiten, ein muslimisches Opfernarrativ zu bedienen sowie Hass gegen Juden und deren »Unter-
stützer« zu erzeugen. Auch auf diesem »geistigen Fundament« sollen terroristische Attentate und
Anschläge geplant und vorbereitet werden, um in der freiheitlichen Gesellschaft des Westens Angst
und Schrecken zu verbreiten.

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