DOGMATISCHE LINKSEXTREMISTEN
Unter dem Oberbegriff Dogmatische Linksextremisten werden jene Bestrebungen zusammengefasst, die sich zu den Theorien von Marx, Engels und Lenin, der These vom Klassenkampf sowie zur Diktatur des Proletariats bekennen. Gemeinsamer weltanschaulich-politischer Nenner dieser orthodox-kommunistischen Gruppierungen ist die Ablehnung der Grundlagen und Wertvorstellungen des demokratischen Verfassungsstaates. Ziel ist die Auflösung der Institutionen der parlamentarischen und rechtsstaatlichen Demokratie.
Dem Beobachtungsobjekt Dogmatische Linksextremisten werden demnach Personenzusammenschlüsse in Sachsen zugerechnet, die sich ideologisch zum Kommunismus bekennen. Darunter befinden sich sowohl gewaltorientierte als auch nicht gewaltorientierte Organisationen. Erstere schließen den Einsatz von Gewalt als strategisches Mittel zur Erreichung ihrer politischen Ziele explizit nicht aus.
| Sitz | Leipzig |
|---|---|
| Gründung | 2016 |
| Hauptorganisation/ übergeordnete Gruppierung | Rote Wende Leipzig |
| Teilorganisationen in Sachsen |
Jugend im Kampf |
| Finanzierung | nicht bekannt |
| Internetauftritte/ Publikation | Internetseite sowie Profile in den sozialen Medien |
| Personenpotenzial/ Mitgliederentwicklung | ca. 50 Personen |
| Kurzporträt/Ziele |
Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf sind kommunistisch ausgerichtete Gruppierungen, welche sich im Kampf gegen das »bürgerliche System« und für den Kommunismus sehen. Die Jugend im Kampf ist als regionale »rote« Gruppe Teil des bundesweiten marxistisch-leninistischen Personenzusammenschlusses Rote Jugend Deutschland und teilt den gemeinsamen Werte- und Aktionskonsens der dort organisierten Gruppierungen. |
| Ereignisse/ Entwicklungen 2025 |
Neben aktiver Beteiligung an regionalen und überregionalen linksextremistischen Demonstrationen traten Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf auch als Organisatoren eigener politischer Veranstaltungen in Leipzig auf. Im Veranstaltungsgeschehen und in den sozialen Medien spielten im Berichtsjahr die Themenfelder »Antifaschismus«, »Antimilitarismus« und »Palästinasolidarität« eine herausragende Rolle. Am 7. Oktober 2025, dem Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel, veröffentlichte Jugend im Kampf auf Instagram folgenden Text: »Seit 77 Jahren leidet Palästina unter israelischer Besatzung. Jeher strebt Israel eine ethnische Säuberung Palästinas an. Die Ereignisse am 07. Oktober 2023 wurden von Israel genutzt, um den Genozid in Gaza zu rechtfertigen. Als Mittel des Völkermords setzt Israel die selbstgeschaffene humanitäre Katastrophe, sowie militärische Macht ein. […] Wir stellen uns konsequent gegen ihre Politik, solidarisch mit den Aktivisten der Sumud Flotilla, für ein freies Palästina!« |
Ideologie
Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf verstehen sich als »traditionell kommunistische« Gruppierungen und lehnen die grundgesetzliche Ordnung ab. Ihr Selbstverständnis von der notwendigen Umwälzung der bestehenden Eigentums- und Produktionsverhältnisse, einhergehend mit der Abschaffung des bürgerlichen Staates, manifestiert die Gruppe regelmäßig in Beiträgen auf ihrer Internetseite sowie ihren Profilen in den sozialen Medien. Der bürgerliche Staat und seine politische Ordnung werden als Instrument des Kapitalismus zur Unterdrückung der Arbeiterklasse verstanden. Stattdessen propagiert die Rote Wende Leipzig eine »befreite, klassenlose Gesellschaft«.
Das Eintreten der Roten Wende Leipzig für einen gewalttätigen Antifaschismus und gegen Exekutivmaßnahmen der Polizei richtet sich zudem gegen das Gewaltmonopol des Staates und den demokratischen Rechtsstaat.
Strategie
Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf sind in den sozialen Medien präsent. Insbesondere die Jugend im Kampf baut auf diesem Wege regional und überregional Kontakte zu anderen linksextremistischen Gruppen und Bündnissen auf und zeigt sich regelmäßig bei öffentlichkeitswirksamen Demonstrationen, Kundgebungen, Gedenk- und Solidaritätsveranstaltungen. Die Gruppe ist in die Kampagnen der Roten Jugend Deutschland eingebunden, in Veröffentlichungen und Stellungnahmen wird dabei klar im Sinne der gemeinsamen kommunistischen Ideologie argumentiert.
Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf besetzen inhaltlich grundsätzlich anschlussfähige Themen wie Antikapitalismus, Antimilitarismus, Antirepression oder Klimaschutz. Ziel ist es, mit ihren Positionen Sympathisanten zu politisieren, zu organisieren und zu mobilisieren. Dabei wenden sie sich auch gezielt an Jugendliche und Heranwachsende.
Aktivitäten
Die Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf waren im Berichtsjahr regelmäßig im extremistischen und nicht extremistischen Versammlungsgeschehen aktiv.
Die Gruppen informieren im Internet über ihre Aktivitäten und treten teilweise bei den Veranstaltungen öffentlichkeitswirksam mit eigenen Bannern auf. Beispielsweise nahm die Rote Wende Leipzig an einer gewerkschaftlichen Demonstration am 1. Mai 2025 in Leipzig teil, das mitgeführte Banner mit der Aufschrift »Lohn und Brot statt Tod im Krieg – Sozialismus bis zum Sieg« zeigte deutlichen Bezug zum Antimilitarismus. Am Aufzug am 20. September 2025 in Döbeln unter dem Motto »4. CSDöbeln – Ob Großstadt oder Hinterland, es lebt der queere Widerstand« beteiligte sich auch die Gruppierung Jugend im Kampf. Deren Banner »Frauen die kämpfen sind Frauen die leben« richtete sich gegen das »Patriarchat«.
Am 1. Juni 2025 führte die Jugend im Kampf in Leipzig zum nunmehr fünften Mal ihr Fußballturnier »Klassenkick« durch. Die gewählte Bezeichnung der Veranstaltung offenbart mit der Anspielung auf den angestrebten »Klassenkampf« die politische Komponente der Aktivität. Am Fußballplatz waren rote Fahnen mit »Hammer und Sichel«-Symbol und Banner von Gruppierungen der Roten Jugend Deutschland, u. a. vom Roten Aufbruch Dresden, angebracht.
Anlässlich des »Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen« am 25. November 2025 führten Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf in Leipzig wie im Vorjahr eine eigene Demonstration durch. Beide Gruppierungen liefen mit ihren Bannern an der Spitze des Aufzuges, in der zudem ein großes »Hammer und Sichel«-Symbol mitgeführt wurde. Ein weiteres Frontbanner war mit der Parole »Jugend voran, Wehrt Euch!« der Roten Jugend Deutschland versehen. Der Aufzug mit ca. 300 Teilnehmern musste kurzzeitig wegen des Zündens von »Bengalischen Lichtern« gestoppt werden.
| Sitz | Zwickau (Landkreis Zwickau) |
| Gründung/ Bestehen | Internetpräsenz seit 2020 |
| Hauptorganisation | Kollektiv Zwickau |
| Finanzierung | nicht bekannt |
| Internetauftritte/ Publikation | Profile in den sozialen Medien |
| Personenpotenzial/ Mitgliederentwicklung | ca. 15 Personen |
| Kurzporträt/Ziele |
Das Kollektiv Zwickau ist eine kommunistische, marxistisch-leninistisch geprägte Gruppierung. Als regionale »rote« Gruppe ist das Kollektiv Zwickau Teil des bundesweiten marxistisch-leninistischen Personenzusammenschlusses Rote Jugend Deutschland und teilt den gemeinsamen Werte- und Aktionskonsens der dort organisierten Gruppierungen. |
| Ereignisse/ Entwicklungen 2025 |
Das Kollektiv Zwickau dokumentierte in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 keine eigenen öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten. Ursächlich hierfür könnten Exekutivmaßnahmen der Polizei am 4. Februar 2025 gewesen sein, welche die Gruppe auch selbst im Internet thematisierte. Demnach gab es Hausdurchsuchungen in Zwickau, Dresden, Saalfeld und Schwarzenberg. Erst zum Jahresende beteiligte sich das Kollektiv Zwickau wieder an regionalen Demonstrationen in Zwickau und Schwarzenberg. |
Ideologie
Das Kollektiv Zwickau bekennt sich regelmäßig anhand von Veröffentlichungen auf seinem Instagram-Profil und im Versammlungsgeschehen durch einschlägige Symbole – »Hammer und Sichel« in gekreuzter Form, rote Fahnen, der Gruß »Rotfront« und die geballte Faust des »Roten Frontkämpferbundes« (paramilitärischer Wehrverband der Kommunistischen Partei Deutschlands) – zum Kommunismus. Zu dessen Erreichung wird anstelle der parlamentarischen Demokratie der Aufbau einer revolutionären kommunistischen Einheitspartei propagiert: »Hin zur Einheit, hin zur kommunistischen Partei ROTFRONT«.
Strategie
Das Kollektiv Zwickau ist in den sozialen Medien und im Versammlungsgeschehen mit anderen Dogmatischen Linksextremisten öffentlichkeitswirksam aktiv. Auf seinem Instagram-Profil sind zahlreiche Beiträge der Roten Jugend Deutschland veröffentlicht. Die beiden Gruppierungen richten sich mit anschlussfähigen Themen (Antifaschismus, Antikapitalismus) und sportlich-militantem Auftreten gezielt an Jugendliche und Heranwachsende.
Aktivitäten
Die Gruppe Kollektiv Zwickau nahm an den Demonstrationen am 2. November 2025 in Zwickau (Landkreis Zwickau) und am 13. Dezember 2025 in Schwarzenberg (Erzgebirgskreis) teil.
An der »Gedenkdemonstration für die Opfer des NSU« in Zwickau beteiligten sich mit Roter Wende Leipzig und Jugend im Kampf weitere Akteure aus dem Spektrum der gewaltorientierten Dogmatischen Linksextremisten. Mehrere Versammlungsteilnehmer skandierten die Parole »ACAB«. Im Nachgang zur Demonstration veröffentlichten Rote Wende Leipzig und Jugend im Kampf auf Instagram eine Stellungnahme: Die Polizei hätte, Zitat: »in Bezug auf faschistische Gewalt in Deutschland (…) nicht einfach versagt, sondern mitgemordet. Dieser Umstand (…) ließ für uns nur die Konsequenz zu, die Demo nicht nur als stilles und trauerndes Gedenken, sondern auch als lautstarkes, antifaschistisches Ausrufezeichen zu gestalten. Wenn auf der NSU-Gedenkdemo Sachsenbullen mit dem Blut der Opfer an ihren Uniformen neben uns marschieren wollen, dann bekommen sie unseren Hass mindestens zu hören.« In einem Kommentar zu diesem Text äußerte sich die Rote Wende Leipzig zudem verächtlich über die vom NSU ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter. Es sei demzufolge »eine Schande, dass am Sonntag dem B\*llenschwein Michèle Kiesewetter im gleichen Atemzug gedacht wurde, wie den migrantischen Opfern«, denn »wäre sie nicht ermordet worden, wäre sie Mittäterin geblieben.«
Die linksextremistische Demonstration in Schwarzenberg (Erzgebirgskreis) unter dem Motto: »Die Staatsmacht in die Schranken weisen« mit 300 Teilnehmern wurde maßgeblich von kommunistischen Gruppierungen geprägt. Neben dem Kollektiv Zwickau nahmen die Rote Wende Leipzig, das Studierendenkollektiv Leipzig und die Kommunistische Jugend mit jeweils eigenen Bannern teil. Zahlreiche Personen waren mit szenetypischen roten Schlauchschals vermummt. Im Rahmen der Demonstration kam es mehrfach zu Störungen in Form von versammlungstypischen Straftaten, u. a. zum Zünden von Pyrotechnik. Polizeikräfte mussten wiederholt unmittelbaren Zwang zur Gewährleistung des Versammlungsrechts sowie für die Ahndung von Straftaten einsetzen. Im Demonstrationszug wurden Transparente mit den Aufschriften »Bullenhass – keine Aussage bei Polizei und Staatsschutz« und »Rechte Gewalt bekämpfen – mit allen Mitteln, auf allen Wegen« mitgeführt. Die Teilnehmer skandierten zudem polizeifeindliche und gewaltverherrlichende Parolen wie »Alle Bullen sind Schweine!« und »Bildet Banden, macht sie platt, Nazis gibt’s in jeder Stadt!«. Bei der Abreise begingen Versammlungsteilnehmer Sachbeschädigungen im Zug nach Zwickau (Landkreis Zwickau).
| Sitz | Dresden |
|---|---|
| Gründung/ Bestehen |
2023 |
| Hauptorganisation |
Roter Aufbruch Dresden |
| Finanzierung | nicht bekannt |
| Internetauftritte/ Publikation | Profil in den sozialen Medien |
| Personenpotenzial/ Mitgliederentwicklung | ca. 15 Personen |
| Kurzporträt/ Ziele |
Der Rote Aufbruch Dresden bezeichnet sich selbst als »kommunistische Jugendgruppe«. Politisches Ziel und Leitmotiv der Gruppierung ist der Aufbau einer kommunistischen Partei, welche als notwendige Voraussetzung zur revolutionären Überwindung des »bürgerlichen Staates« angesehen wird. Der Rote Aufbruch Dresden ist als regionale »rote« Gruppe Teil des bundesweiten marxistisch-leninistischen Personenzusammenschlusses Rote Jugend Deutschland und teilt den gemeinsamen Werte- und Aktionskonsens der dort organisierten Gruppierungen. |
| Ereignisse/ Entwicklungen 2025 |
Die Gruppierung beteiligte sich regelmäßig an linksextremistischen Veranstaltungen in Dresden und organisierte am 25. November 2025 eine eigene größere Demonstration zum »Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen«. Ein weiteres Aktionsfeld waren pro-palästinensische und antiisraelische Aktivitäten. So beteiligte sich die Gruppierung am 6. Oktober vor der Offiziersschule des Heeres in Dresden an der Protestkundgebung gegen den Besuch des Pressesprechers der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Außerdem nahm die Gruppierung an der Demonstration »Internationaler antifaschistischer 1. Mai« in Dresden teil. |
Ideologie
Der Rote Aufbruch Dresden bekennt sich regelmäßig im Rahmen von Veröffentlichungen auf seinem Instagram-Profil und durch das Zeigen einschlägiger Symbole bei Versammlungen – »Hammer und Sichel« in gekreuzter Form, rote Fahnen, der Gruß »Rotfront« und die geballte Faust des »Roten Frontkämpferbundes« (paramilitärischer Wehrverband der Kommunistischen Partei Deutschlands) – zum Kommunismus. Zu dessen Erreichung wird die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung propagiert: »Nur wenn wir uns in die Tradition der Kommunist*innen, die vor uns gelebt haben, stellen und auch wie sie konsequent für unsere Klasse kämpfen, wird eine bessere sozialistische Zukunft greifbar. In diesem Sinne: Rotfront!«
Strategie
Die Gruppe Roter Aufbruch Dresden ist in den sozialen Medien und im regionalen Versammlungsgeschehen mit anderen Dogmatischen Linksextremisten öffentlichkeitswirksam aktiv. Die Gruppierung richtet sich mit anschlussfähigen Themen (Antifaschismus, Antikapitalismus, Antimilitarismus) und sportlich-militantem Auftreten gezielt an Jugendliche und Heranwachsende.
Aktivitäten
Der Rote Aufbruch Dresden war im Berichtsjahr regelmäßig im extremistischen und nicht extremistischen Versammlungsgeschehen aktiv. So beteiligte sich die Gruppierung beispielsweise am linksextremistischen Aufzug »Internationaler antifaschistischer 1. Mai« am 1. Mai 2025 in Dresden, der als Spontanversammlung aus der nicht extremistischen Gewerkschaftsdemonstration ausgegliedert wurde. Im Aufzug mit 175 Personen waren mit der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) und der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auch orthodox-kommunistische Parteien vertreten. Durch Demonstrationsteilnehmer sollen die Rufe »Für Intifada!«, »Free, free, free Palestine« und »Antideutsche sind keine Linken« erfolgt sein. Der Rote Aufbruch Dresden bestätigte auf seinem Instagram-Profil, Teil der Spontandemonstration gewesen zu sein und rügte dabei die »antideutschen Blockadeversuche«. Dennoch habe man ein »Zeichen gegen Krieg und für internationale Solidarität« setzen können.
Im Rahmen der Demonstrationen von Linksextremisten in Sachsen zum »Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen« am 25. November 2025 organisierte der Rote Aufbruch Dresden eine eigene Veranstaltung in Dresden. Unter dem Motto »Nieder mit dem Patriarchat! Liebe für die Klasse, Hass für den Staat!” bewegten sich rund 100 Teilnehmer durch das Stadtgebiet. Im Aufzug wurden ein Frontbanner des Roten Aufbruchs Dresden, ein Banner der Kampagne »Jugend voran« der Roten Jugend Deutschland und ein Plakat mit der Abbildung einer Frau mit Maschinengewehr mitgeführt.
| Sitz |
KA und FKO sind bundesweit in mehreren Städten aktiv und in Leipzig mit allen Teilorganisationen vertreten. Als Treff- und Veranstaltungsobjekt insbesondere für die FKO dient das »Soziale Zentrum Clara Zetkin« in Leipzig. |
| Gründung/Bestehen | Gründung des Kommunistischen Aufbaus auf Bundesebene im Jahr 2014; seit 2020/2021 sind erste Strukturen und Aktivitäten von KA und FKO in Leipzig öffentlichkeitswirksam bekannt. |
| Hauptorganisation/ übergeordnete Gruppierung | Kommunistischer Aufbau (KA) |
| Formelle Teilorganisationen des KA |
Kommunistische Jugend (KJ) Kommunistische Frauen (KF) |
| Vorfeldorganisation | Föderation klassenkämpferischer Organisationen (FKO) |
| Formelle Teilorganisationen der FKO |
Solidaritätsnetzwerk Leipzig, Internationale Jugend Leipzig, Studierendenkollektiv Leipzig, Betriebskampf Leipzig, Frauenkollektiv Leipzig |
| Internetauftritte/ Publikation | Internetseite, Profile in den sozialen Medien |
| Personenpotenzial/ Mitgliederentwicklung | ca. 50 Personen |
| Kurzporträt/Ziele |
Der Kommunistische Aufbau ist eine marxistisch-leninistische Kaderorganisation, deren erklärte Ziele die Schaffung einer kommunistischen Partei sowie der revolutionäre Sturz des Kapitalismus mit nachfolgender Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft sind. Politisches Ziel der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen ist der Kommunismus, welcher mittels Klassenkampf und revolutionärer gesellschaftlicher Umwälzung erreicht werden soll. |
| Ereignisse/ Entwicklungen 2025 |
In Leipzig fanden 2025 zahlreiche Versammlungen und Demonstrationen statt, welche vom KA und vor allem von der FKO und ihren Teilorganisationen initiiert oder organisiert wurden. Die Gruppen weisen das derzeit höchste Aktionsniveau im Dogmatischen Linksextremismus in Sachsen auf. FKO und KA besetzen nahezu alle Themenbereiche der linksextremistischen Szene (Antifaschismus, Antirepression, Antikapitalismus, Antimilitarismus, Antiimperialismus) und zeigen zudem öffentlichkeitswirksam ihre Palästinasolidarität im Versammlungsgeschehen. In Bezug auf dieses Thema beteiligten sich die Gruppierungen im Berichtsjahr auch an pro-palästinensischen Protesten von Gruppierungen des auslandsbezogenen Extremismus (z. B. Handala e. V. und Young Struggle Leipzig). |
Ideologie
Im »Kommunistischen Programm« vom 15. Mai 2023, beschlossen auf dem 4. Kongress des Kommunistischen Aufbaus, erfolgt eine ausführliche Festlegung von Zielen und Strategie. Grundsätzliches Ziel ist die Ablösung des Kapitalismus durch eine sozialistische Gesellschaft mittels einer gewaltsamen Revolution.
Der Kapitalismus »muss in der sozialistischen Revolution gestürzt und durch den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ersetzt werden. Dabei ist die sozialistische Revolution nicht ein einmaliger kurzzeitiger Moment des Kampfes um die Macht, sondern ein jahrelanger Prozess. Ihre Vorbereitung muss lange vor dem finalen Kampf um die Machtergreifung beginnen.«
Der Charakter der Revolution ist ausdrücklich gewaltsam und militärisch: Die Revolution muss »in der Lage sein, sich nicht nur im Bürgerkrieg mit der eigenen Bourgeoisie zu behaupten, sondern bereit sein, alle Kräfte zu mobilisieren, um eine konterrevolutionäre Intervention aus anderen Ländern abzuwehren.«
Nach dem Sieg der Revolution und der »Zerschlagung des alten Staatsapparats« erfolgt die »Errichtung der Diktatur des Proletariats«, der »Aufbau der sozialistischen Planwirtschaft« und eine »Kulturrevolution«.
Im »Selbstverständnis« der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen benennt die Gruppierung den Sozialismus als Ziel:
»Uns eint das gemeinsame Ziel, für eine Gesellschaft jenseits des kapitalistischen Ausbeutungssystems zu kämpfen. Wir kämpfen für eine gesellschaftliche Zukunft, die nicht nach dem Profit großer Konzerne organisiert ist, sondern nach unseren Interessen und Bedürfnissen. Diese Gesellschaft ist der Sozialismus.«
In den »Föderationsstandpunkten« wird der Weg zum Sozialismus (»später die klassenlose Gesellschaft, der Kommunismus«) als »grundlegende revolutionäre Umwälzung, die durch unseren Klassenkampf vorbereitet wird« beschrieben. In diesem Klassenkampf hat die FKO »fünf »klassenkämpferische Strukturen vereint« – Betriebskampf, Frauenkollektiv, Internationale Jugend, Solidaritätsnetzwerk, Studierendenkollektiv – welche in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern am »Wiederaufbau einer klassenkämpferischen Arbeiter:innenbewegung« mitwirken.
Der Kommunistische Aufbau agiert nach eigenen Angaben konsequent nach dem Prinzip des »Demokratischen Zentralismus«. Die dort geregelte »Leitung der Parteiarbeit von einem Zentrum aus« bedeutet eine einheitliche ideologische Ausrichtung und Organisation für alle Teilgruppen unter Führung des KA.
Strategie
Föderation klassenkämpferischer Organisationen (FKO) und Kommunistischer Aufbau (KA) sind in den sozialen Medien und im regionalen Versammlungsgeschehen öffentlichkeitswirksam aktiv.
Die in den »Föderationsstandpunkten« der FKO beschriebene Strategie wird tatsächlich in der Praxis umgesetzt. Die Teilorganisationen Solidaritätsnetzwerk, Internationale Jugend, Studierendenkollektiv, Betriebskampf und Frauenkollektiv agieren in ihren jeweils festgelegten Themenbereichen. Die Gruppen führen in Leipzig eigene Aktionen durch und beteiligen sich an Aktivitäten und Veranstaltungen anderer Akteure. Beispielhaft können der Auftritt des Studierendenkollektives Leipzig am 20. Oktober 2025 beim »Town Hall Meeting« der Universität Leipzig (eine Gesprächsreihe mit Mitarbeitenden und Studierenden, hier zum Thema »Kürzungen«) sowie die Beteiligung von Vertretern des Betriebskampfes Leipzig an Arbeitskämpfen bzw. Streiks großer Gewerkschaften genannt werden. In den zentralen Aktionsfeldern der linksextremistischen Szene (Antifaschismus, Antirepression, Antikapitalismus, Antimilitarismus, Antiimperialismus) treten die Teilorganisationen der FKO meist gemeinsam auf. Auf ihren Instagram-Profilen zeigen sich die handelnden Personen in der Regel erkennbar (unverpixelt), manchmal mit Vornamen und immer als Mitglieder der jeweiligen FKO-Teilgruppe.
Der Kommunistische Aufbau veröffentlicht hingegen keine Informationen zu Mitgliedern sowie zu regionalen Strukturen. Bei Demonstrationen vermummen sich die Personen des KA in der Regel, eigene öffentliche Darstellungen im Internet erfolgen mit Unkenntlichmachung der Mitglieder. Demonstrationsaufrufe oder Positionspapiere im Internet werden anonym publiziert. In der KA-Schrift »Kommunistische Partei im 21. Jahrhundert« vom 1. Januar 2025 wird der Notwendigkeit der konspirativen politischen Arbeit ein eigener Abschnitt »Legalität und Illegalität« gewidmet: »Die Arbeit muss zu jedem Zeitpunkt so organisiert sein, dass sie im Falle eines Verbots in der vollständigen Illegalität weiterlaufen kann und ihre enge Verbindung in die Arbeiter:innenklasse dadurch nicht verliert.«
Offensichtlich soll der Anschein erweckt werden, dass es sich bei FKO und KA um unterschiedliche Organisationen handelt. Tatsächlich zeigen das gemeinsame Auftreten in Demonstrationsblöcken, die Nutzung derselben Trefflokalität, Positionspapiere zu internen Abläufen (so die Stellungnahme der KA-Teilorganisation Kommunistische Frauen »Zum Umgang mit patriarchalem Fehlverhalten und Gewalt« vom 13. Dezember 2024) und letztendlich die Tatsache, dass bekannte FKO-Mitglieder in der Öffentlichkeit mit KA-Fahnen oder bei KA-Veranstaltungen festgestellt wurden, dass FKO und KA organisatorisch eng verbundene Gruppierungen mit gemeinsamem Mitgliederbestand sind.
Aktivitäten
Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) und Kommunistischer Aufbau (KA) waren im Berichtsjahr an zahlreichen extremistischen und nicht extremistischen Veranstaltungen in Leipzig maßgeblich beteiligt. Mit dem »Sozialen Zentrum Clara Zetkin« besitzen die Gruppierungen in Leipzig zudem ein intensiv genutztes eigenes Treff- und Veranstaltungsobjekt.
Im Versammlungsgeschehen führen FKO und KA stets eigene Banner und Fahnen mit und berichten im Nachgang ausführlich über die Veranstaltungen. In Leipzig trat insbesondere die FKO regelmäßig als Organisator von Demonstrationen auf. Im Berichtsjahr 2025 kam es im Zusammenhang mit der Veranstaltung am 1. Mai zu Straftaten durch Veranstaltungsteilnehmer: Bei der von FKO und KA initiierten linksextremistischen Demonstration »Am 1. Mai auf die Straße gegen Kriege und Krisen!« mit 2.100 Teilnehmern wurden Nebeltöpfe gezündet und ein Farbbeutel geworfen. Im Rahmen von Identitätsfeststellungen kam es zu Widerstandshandlungen gegen die Polizei. Die FKO-Gruppen kommentierten im Nachgang das polizeiliche Vorgehen auf ihren Instagram-Profilen mit den Worten: »Halten wir zusammen: Gegen Bullenangriffe und dieses Dreckssystem! Bauen wir eine klassenkämpferische Arbeiter:innenbewegung auf!«.
In Bezug auf das Thema »Antimilitarismus« beteiligten sich diese Gruppierungen im Berichtsjahr beispielsweise an Protesten von Gruppierungen des auslandsbezogenen Extremismus (z. B. Handala e. V. und Young Struggle Leipzig) oder organisierten diese selbst.
Im Nachgang zur in Leipzig am 19. Mai 2025 maßgeblich von den Leipziger FKO-Teilorganisationen durchgeführten Demonstration »Stoppt den Völkermord! Stoppt die Auslöschung Gazas! Freiheit für Palästina!« wollte die Polizei die Identitäten von fünf Veranstaltungsteilnehmern feststellen. Die relevanten Personen befanden sich mit ca. 50 weiteren abreisenden Teilnehmern in einer Straßenbahn. Die Personengruppe solidarisierte sich untereinander und widersetzte sich den polizeilichen Maßnahmen. Aus einer vor Ort angezeigten Spontanversammlung unter dem Motto »Laut gegen polizeiliche Repressionen« mit bis zu 150 Teilnehmern wurde im weiteren Verlauf massiv auf die Polizeikräfte eingewirkt. Teilweise vermummte Personen bewarfen die Beamten mit Pyrotechnik, Steinen und Flaschen. Mehrere Scheiben der Straßenbahn wurden zerstört und bei einem Fahrzeug des Ordnungsamtes die Scheibe eingeschlagen. In einer Nachbetrachtung auf ihren Instagram-Profilen warfen die Leipziger FKO-Gruppen der Polizei unverhältnismäßigen »Verfolgungswahn« vor, welcher das Ansinnen hätte, ihre politische Bewegung zu unterdrücken: »Mit derartig unverhältnismäßigen und einschüchternden Maßnahmen wie am Montagabend wollen die Repressionsbehörden schon jetzt anfangen, die aufkeimende revolutionäre Bewegung zu ersticken.« Dennoch sei man von der Rechtmäßigkeit des Handelns überzeugt: »Für uns ist klar, dass wir uns von unserem legitimen Protest nicht abbringen lassen werden, besonders in Zeiten, wo alles um uns herum düsterer wird. Und dafür kämpfen wir überall: An der Schule, an der Uni, im Stadtteil und zur Not auch in der Straßenbahn.«
Zu den nicht gewaltorientierten orthodox-kommunistischen Dogmatischen Linksextremisten zählen u.a. die Kommunistische Plattform der Partei »Die Linke« (KPF), die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) inklusive ihrer Nachwuchsorganisation Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) inklusive ihrer Nachwuchsorganisation Rebell.
Ideologie und Strategie
Die DKP und die KPF bekennen sich zu den Lehren von Marx, Engels und Lenin. Die Errichtung des Sozialismus soll demnach auf revolutionärem Wege durch die Beseitigung der bestehenden Gesellschaftsordnung und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung erfolgen. So heißt es im nach wie vor aktuellen Programm der DKP:
»Der Sozialismus kann nicht auf dem Weg von Reformen, sondern nur durch tiefgreifende Umgestaltungen und die revolutionäre Überwindung der kapitalistischen Eigentums- und Machtverhältnisse erreicht werden.«
Die Präambel der MLPD weist in dieselbe Richtung: »Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) versteht sich als politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland. […] Ihr grundlegendes Ziel ist der Sturz der Diktatur des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats in Deutschland als Teil der internationalen sozialistischen Revolution.«
Im Unterschied zu anderen orthodox-kommunistischen Gruppierungen, die sich kaum noch offen auf Josef Stalin oder Mao Tse-tung beziehen, ist bei der MLPD ein offensives Bekenntnis zu diesen Diktatoren festzustellen. Dies zeigt, dass die MLPD im Gegensatz zur DKP oder KPF nicht nur marxistisch-leninistisch, sondern auch stalinistisch und maoistisch ausgerichtet ist.
Personenpotenzial/Aktivitäten
Orthodoxe linksextremistische Gruppierungen verfügen im Freistaat Sachsen über ein Potenzial von ca. 120 Personen. Für herausragende Anlässe können hiesige Strukturen allerdings eine weitaus höhere Zahl an Personen mobilisieren. Beispielhaft dafür stand die Versammlung »Erinnerung an den Schwur an der Elbe! Friedliche Koexistenz weltweit! Gegen Sozialabbau!« am 26. April in Torgau (Landkreis Nordsachsen), als die DKP einen linksextremistischen Demonstrationszug mit ca. 500 Teilnehmern zum Gedenken an die Begegnung der US-amerikanischen und sowjetischen Truppen Ende April 1945 in der nordsächsischen Stadt organisierte. Unabhängig von Aktivitäten an traditionell kommunistischen Gedenktagen realisierten Dogmatische Linksextremisten eigene Kundgebungen und Informationsstände bzw. beteiligten sich an nicht extremistischen Versammlungen.
Fazit Dogmatische Linksextremisten
Das Aktions- und Personenpotenzial der orthodox-kommunistischen Bestrebungen in Sachsen erhöhte sich im Berichtsjahr stetig. Diese Entwicklung ging sowohl von den erst seit wenigen Jahren bestehenden gewaltorientierten Gruppierungen wie Jugend im Kampf, Kollektiv Zwickau und Roter Aufbruch Dresden sowie von den sich etablierenden Strukturen des Kommunistischen Aufbaus und der Föderation klassenkämpferischer Organisationen (FKO) in Leipzig als auch von nicht gewaltorientierten Nachwuchsorganisationen etablierter Dogmatischer Parteien, wie der SDAJ (DKP), aus. Diese Gruppierungen werden durch junge Akteure geprägt, welche die sozialen Medien intensiv nutzen, bei der Verbreitung verfassungsfeindlicher Ziele eine hohe Reichweite erzielen und auf diese Weise neue Mitglieder rekrutieren. Im Zuge dieses Agierens sehen sie in der notwendigen Etablierung einer kommunistischen Ordnung die vermeintlich einfache Lösung für globale Krisen (u. a. Ukraine-Krieg, Gaza-Krieg, Einführung der Wehrpflicht, Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit). Basierend auf der hohen Zahl an Aktivitäten und Gruppierungen, die mit einem Rückgang der Präsenz Autonomer im Versammlungsgeschehen159 einhergehen, wird das orthodoxe Spektrum weiterhin eine bedeutende Stellung in der linksextremistischen Szene im Freistaat Sachsen einnehmen. Im Phänomenbereich Linksextremismus waren es im Berichtsjahr vor allem die Dogmatischen Linksextremisten, die einen verstärkten Zulauf an jungen Menschen für sich verbuchen konnten.