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Rechtsextremismus

Neonationalsozialisten

Aufruf

Aufruf
(© Facebook-Profil StreamBZ)

Innerhalb der parteiungebundenen rechtsextremistischen Strukturen hat sich die Restrukturierung
der NEONATIONALSOZIALISTEN – dazu gehören z. B. FREIGEIST E. V. aus dem Erzgebirgskreis und die FREIE KAMERADSCHAFT DRESDEN – im Jahr 2018 nur verhalten fortgesetzt. Bei einem insgesamt zunehmenden Aktivitätsniveau konnten hohe Teilnehmerzahlen an Veranstaltungen festgestellt werden. Daraus ergab sich ein Zuwachs des Personenpotenzials auf nunmehr 700 Personen (2017: 650).

 

Neonationalsozialistische Gruppierungen haben sich im Hinblick auf den Organisationsgrad in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Der Trend zum Verzicht auf nach außen erkennbare Strukturen hat sich fortgesetzt. Nachdem noch vor ein bis zwei Jahren versucht worden war, vereinzelt wieder neonationalsozialistische Strukturen zu bilden, strukturiert sich die Szene mittlerweile über Kampagnen, Themenfelder und Szeneveranstaltungen. Hinter diesen wirken nicht etwa nach außen mit festem Namen auftretende Kameradschaften oder Ähnliches, sondern Personennetzwerke. Dabei handelt es sich um feste Kennverhältnisse, die regelmäßig gemeinsame Aktivitäten durchführen und die die Ideologie der NEONATIONALSOZIALISTEN teilen. Da diese Personenzusammenhänge – trotz Verzichts auf formelle Strukturen – nicht strukturlos sind, werden sie im Bereich der parteiungebundenen rechtsextremistischen Strukturen ausgewiesen. Ihnen allen gemeinsam ist die neonationalsozialistische Ideologie.

 

Ideologie


Der Neonationalsozialismus bezieht sich auf die Weltanschauung des historischen Nationalsozialismus. Kern neonationalsozialistischer Überzeugungen ist der Wunsch nach der Wiedererrichtung des „Dritten Reiches“ bzw. der Einführung einer vergleichbaren Diktatur.

NEONATIONALSOZIALISTEN beziehen sich auf bestimmte ideologische Elemente des Nationalsozialismus, wie einen übersteigerten Nationalismus, Antisemitismus, Antipluralismus, Sozialdarwinismus und Rassismus, als Teil einer völkischen Ideologie, die einen ethnisch homogenen Staat anstrebt und jeglichen Pluralismus als existenzbedrohend ansieht.

NEONATIONALSOZIALISTEN definieren das deutsche Volk auf biologistischer Grundlage als höherwertige
„Rassegemeinschaft“
, die es mit allen Mitteln zu retten gelte. Dem deutschen Volk gehöre danach an, wer zur „arischen Rasse“ zähle. Es sei der „Wert des Blutes“, „der uns Menschen gleicher Art und gleichen Kulturkreises“ zusammenhalte.

In ihren verschwörungstheoretischen Grundannahmen gehen NEONATIONALSOZIALISTEN von der Existenz eines „Plan[s] des Weltfeindes, unsere Art endgültig auszurotten“ aus. Diese Grundüberzeugung manifestiert sich immer wieder in den sogenannten Volkstod-Kampagnen.

NEONATIONALSOZIALISTEN verfügen über ein ausgesprochen elitäres Selbstverständnis; sie sehen sich als
„höherwertige“ Deutsche. Dies leiten sie aus ihren rassistischen Anschauungen und der Bezugnahme auf das „Dritte Reich“ ab, dessen politisch-militärisches Hierarchieverständnis („Führerprinzip“) sie teilen.

Dies und ihr rassistisches Weltbild erklären die hohe Bedeutung der Asylthematik für NEONATIONALSOZIALISTEN. Die Aufnahme von – von ihnen als rassisch minderwertig angesehenen – Menschen in Deutschland bedeutet für sie einen „Angriff“ auf das von ihnen rassisch definierte deutsche Volk.

Die ideologische Haltung von NEONATIONALSOZIALISTEN ist grundsätzlich gewaltverherrlichend. Aus ihrer
Sicht lassen sich die von ihnen verfolgten Ziele in letzter Konsequenz nur mit Gewalt umsetzen. Durch ihre sozialdarwinistische Grundüberzeugung, den Kampf um die Auslese der Besten, wird Gewalt auch nicht als notwendiges Übel, sondern als an sich gutes und der eigenen Überzeugung entsprechendes Mittel angesehen.

NEONATIONALSOZIALISTEN sehen sich als eine „Elite“, die sich aktuell als verfolgte Minderheit betrachtet
und daraus für sich „Notwehrrechte“ ableitet.

NEONATIONALSOZIALISTEN vertreten überdies häufig revisionistische Ansichten und versuchen durch
eine Umdeutung der Geschichte, die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren oder gänzlich zu leugnen.

 

Personenpotenzial


Wie bereits im Vorjahr ist das Personenpotenzial der NEONATIONALSOZIALISTEN auch im Jahr 2018 gestiegen. Der Anstieg erfolgte jedoch mit nachlassender Stärke. Dies begründet sich zum einen mit dem Rückgang der strukturellen Dynamik und zum anderen mit der Bindung von Personenpotenzial auf den sogenannten Mischveranstaltungen, wie dem „Schild und Schwert Festival“ sowie sonstigen Musik- und Kampfsportveranstaltungen. Zu diesen Veranstaltungen kommen Personen, die größtenteils der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene und dem unstrukturierten rechtsextremistischen Personenpotenzial zugerechnet werden können. Die Führungskräfte und Organisatoren dieser Veranstaltungen sind jedoch den NEONATIONALSOZIALISTEN bzw. den neonationalsozialistisch ausgerichteten rechtsextremistischen Parteien DER DRITTE WEG, NPD und DIE RECHTE zuzuordnen.
Das Personenpotenzial ist relativ gleichmäßig über den Freistaat Sachsen verteilt. Wichtige Führungspersonen sind vor allem im Großraum Dresden, im Landkreis Bautzen und im Großraum Chemnitz ansässig.

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