Blickpunkt
14.02.2008 - Bedeutung von Konvertiten für die Sicherheitsbehörden
Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Konvertiten überproportional in terroristische Netzwerkstrukturen eingebunden sind. Gleichwohl machten z. B. die Personengeflechte der im Zusammenhang mit den vereitelten Anschlägen vom Herbst 2007 entdeckten Terrorzelle der »Islamic Jihad Union« (IJU) Bezüge zur Konvertitenszene deutlich. Sie zeigen, dass sich dieser Personenkreis trotz einer westlichen Sozialisation für religiös motivierte Terroranschläge rekrutieren lässt.
Jedoch müssen die Sicherheitsbehörden die Möglichkeit des Einsatzes von aus dem hiesigen Kulturkreis stammenden einzelnen Konvertiten etwa bei der Planung und Durchführung islamistisch-terroristischer Anschläge genau im Auge behalten. Denn diese Personen verfügen über ein hier unauffälliges Aussehen, führen einen gängigen Namen und kennen die kulturellen Gepflogenheiten sowie die Infrastruktur des Landes. Die Sicherheitsbehörden verstehen unter dem Begriff »Konvertit« zum einen die Annahme der islamischen Religion von Personen mit »westlicher“ Sozialisation und hiesiger Herkunft. Zum anderen fallen jedoch auch so genannte re-islamisierte Personen unter diese Bezeichnung, d. h. als Muslim geborene Personen, die sich trotz einer überwiegend säkularen Sozialisation der Religion des Islam zuwenden.
Islamistische Einflussfaktoren auf Konvertiten Wenngleich man nicht von einem typischen Profil islamistischer Einflusspersonen sprechen kann, können insbesondere religiöse Autoritätspersonen (z. B. Islamgelehrte, Imame), aber auch Kontaktpersonen, die religiös motivierte Gewalt aktiv und passiv unterstützen, für eine Radikalisierung von Konvertiten mit ursächlich sein.
Weitere bestimmende Einflussfaktoren für eine islamistische Grundhaltung und Radikalisierung können die Rezeption einschlägiger Medien sein. Das betrifft insbesondere
islamistische Schriften und Bücher (z. T. auch über Internet abrufbar), aber auch einschlägige Internetforen, die in zunehmendem Maße gezielt ein deutschsprachiges Publikum ansprechen. Zudem kann auch der Aufenthalt an einschlägigen Bildungseinrichtungen im islamisch geprägten Ausland zu Zwecken des Studiums von Sprache und Kultur hierfür in Betracht kommen.
Zahl der Konvertiten
Die Konversion zum Islam wird vollzogen, wenn vor mindestens zwei Zeugen das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada), »Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Prophet«, aufgesagt wird. Ob die Annahme der neuen Religion bewusst in der bejahenden Auseinandersetzung mit dieser oder nur der Form nach erfolgt, ist offen.Da nicht unbedingt eine schriftliche Fixierung des Glaubensübertritts erfolgt und die islamische Religionszugehörigkeit nicht erfasst wird, lässt sich die Zahl der Konvertiten kaum ermitteln. Gegenwärtige, allgemeine Schätzungen der Gesamtzahl der deutschen Konvertiten zum Islam bewegen sich zwischen 13.000 und 100.000 Personen, wobei die letzte Zahl deutlich überzogen sein dürfte.
Bei einem Großteil der Konvertiten handelt e s sich um Frauen, die z. B. im Zusammenhang mit der Eheschließung mit einem Muslim den Islam annehmen.
Lage in Sachsen
Die Zahl der Konvertiten, die sich in Sachsen aufhalten, ist aus bereits genannten Gründen nicht bestimmbar. Aus verschiedenen Quellen liegen jedoch Hinweise darauf vor, dass sich islamische Einrichtungen aktiv um Konvertiten, z. B. mittels Sprach- und Koranunterricht sowie religiös geprägte Seminare, bemühten und deren Zahl kontinuierlich steige.Im Umfeld von islamischen Vereinen mit Bezug zum Extremismus sind einige Konvertiten aufgefallen, ohne bislang erkennbar eigene extremistische Aktivitäten zu entfalten. Bei der Mehrzahl der Konvertiten handelt es sich auch hier um Frauen, die vermutlich durch Heirat eines muslimischen Ehepartners den Islam angenommen haben.
Dennoch liegen auch Erkenntnisse vor, dass sich Personen durch das Wirken maßgeblicher islamistischer Einflusspersonen aus Sachsen radikalisiert haben.
