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Mittel und Methoden

Mittel und Methoden fremder Nachrichtendienste

Einen Schwerpunkt der klassischen Spionageaktivitäten fremder Nachrichtendienste bilden Beschaffung, Auswertung und Analyse von allgemein zugänglichen Informationen in Form von Medienberichten, Publikationen, Messen, Ausstellungen und Seminaren. Mit Hilfe einer gezielten methodischen Gesprächsführung wird zudem das Wissen von Personen erschlossen, ohne dass der Betroffene den nachrichtendienstlichen Hintergrund erkennt. Die Erfolge fremder Nachrichtendienste werden durch Unerfahrenheit und fehlende Sensibilität bei den Gesprächspartnern begünstigt. Erste Kontakte dieser Art werden oft bei offiziellen Veranstaltungen geknüpft, später intensiviert und bei anhaltendem nachrichtendienstlichem Interesse gegebenenfalls auf die private Ebene verlagert.

Verfügt eine Zielperson über gute Zugangsmöglichkeiten zu einem relevanten Interessenbereich eines fremden Nachrichtendienstes, wird dieser versuchen, sie perspektivisch als Agent zu gewinnen. Dafür werden der Zielperson oft Geld- oder Sachleistungen angeboten. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, schrecken fremde Nachrichtendienste auch vor Erpressung und Drohungen nicht zurück.

Die Führung der Agenten erfolgt grundsätzlich durch die Zentrale des Nachrichtendienstes oder über dessen getarnte Stützpunkte im Operationsgebiet. Hierzu werden neben persönlichen Treffen nach wie vor so genannte »tote Briefkästen«[1] und verschlüsselte Funksprüche verwendet. Moderne Kommunikationssysteme, wie z. B. das Internet, kommen hierfür ebenfalls in Betracht. Die getarnten Stützpunkte fremder Nachrichtendienste befinden sich überwiegend in exterritorialen[2] Einrichtungen, z. B. an Botschaften, Generalkonsulaten und Handelsvertretungen, und werden als Legalresidenturen bezeichnet. Des Weiteren kommen für nachrichtendienstliche Zwecke Niederlassungen staatlicher oder halbstaatlicher Unternehmen, wie z. B. Reisebüros, Presseagenturen, Fluggesellschaften und Im-/ Exportfirmen bzw. gemischte Firmen wie Joint-Ventures in Betracht. Dabei können zunächst geschäftliche Beziehungen im Laufe der Zeit einen nachrichtendienstlichen Hintergrund erhalten.

Die traditionellen Formen der technischen Aufklärung, wie klassische Funküberwachung und Abhörmaßnahmen, sind in den letzten Jahrzehnten durch die erweiterten Möglichkeiten der umfassenden elektronischen Aufklärung durch Spionagesatelliten und leistungsfähige Abhörstationen erweitert, aber keineswegs verdrängt worden. Besonders gefährdet sind unverschlüsselte Datenübermittlungen per Telefon, Fax oder E-Mail. Gründe dafür sind die Möglichkeiten, Fernmeldeverbindungen abzuhören und Abstrahlungen von Datenverarbeitungsanlagen aufzufangen sowie in interne EDV-Systeme einzudringen. Die Zunahme des elektronischen Datenaustausches birgt angesichts der internationalen Kooperation und der Verlagerung von Forschungs- und Produktionseinrichtungen ins Ausland für die Unternehmen zunehmend das Risiko der Ausspähung von Firmeninterna. Der notwendige elektronische Austausch sensibler Daten ist für die betroffenen Unternehmen nur noch mit wirkungsvollen Verschlüsselungssystemen zu empfehlen.

 

[1]   „Tote Briefkästen“ sind vereinbarte geheime Verstecke, in denen ein Agent Material deponiert, das dann später von einem Nachrichtendienstangehörigen abgeholt wird. Im Gegenzug kann auf diese Weise die Übergabe von „Agentenlohn“ und Instruktionen durch den Nachrichtendienst an den Agenten erfolgen.

[2]   Unter Exterritorialität wird hier die Unverletzlichkeit und Unantastbarkeit bestimmter ausländischer Personen (z. B. Diplomaten) und Sachen (z. B. Botschaftsgebäude und diplomatische Fahrzeuge) im Gastland verstanden.