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Landesamt für Verfassungsschutz

05.04.2018 - Das »Schild & Schwert-Festival« in Ostritz – Eine Einschätzung des Verfassungsschutzes

Ankündigung Schild und Schwert Festival

Ankündigung Schild und Schwert Festival
(© Internet )

Vom 20. bis 22. April 2018 soll in Ostritz (Landkreis Görlitz) das sogenannte »Schild & Schwert-Festival« stattfinden. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD, Thorsten HEISE, hat unter diesem Namen zahlreiche Rechtsextremisten nach Ostsachsen eingeladen. Vordergründig geht es um Musik, Sport und Tattoos. Dennoch steht bei diesem Festival nicht das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Propagierung rechtsextremistischer Ideologie.


HEISE selbst hatte am 30. Januar 2018[1] einen »Völkischen Flügel« in der NPD proklamiert. Mit kaum kaschierten Bezügen zum III. Reich will er die NPD damit zur offensichtlich neonationalsozialistischen »Weltanschauungspartei« machen. In der rechtsextremistischen Szene ist HEISE mit einem solchen Bestreben jedoch nicht allein. Auch die Partei Der III. Weg hatte Ende 2017 eine Broschüre veröffentlicht, in der unverhohlen »Blut und Boden« als Ausgangs- und Endpunkt der eigenen Politik propagiert wurde. In der Folge tobt gegenwärtig ein regelrechter Wettkampf darum, wer der radikalere Neonationalsozialist im deutschen Rechtsextremismus ist.

Vor diesem Hintergrund sind HEISEs Festival-Pläne in Ostritz und die Auswahl der Redner, Liedermacher und Bands zu betrachten. So war z.B. Michael REGENER (besser bekannt als »Lunikoff«) früher Frontsänger der 2003 als kriminelle Vereinigung eingestuften rechtsextremistischen Band Landser. Andere Organisatoren, Redner, Bandmitglieder und Liedermacher weisen ebenfalls Bezüge zu wegen ihrer Gewaltbereitschaft verbotenen Organisationen auf. Dabei handelt es sich nicht nur um das früher äußerst gewaltbereite, im Jahre 2000 verbotene Blood & Honour-Netzwerk, sondern auch um ehemalige Mitglieder des 2012 in Nordrhein-Westfalen verbotenen Nationalen Widerstandes Dortmund. Es sind vor allem diese Kader, die auch hinter den als »Kampf der Nibelungen« bezeichneten rechtsextremistischen Kampfsportveranstaltungen stehen. Diese dienen weniger der sportlichen Ertüchtigung als vielmehr der Vorbereitung auf mögliche zukünftige gewaltsame Konfrontationen mit den eigenen Feindbildern und politischen Gegnern.

Das »Schild & Schwert-Festival« soll in diesem Sinne die Aktions- und Gewaltbereitschaft der rechtsextremistischen Szene stärken. Allein das Zusammenführen hunderter ideologisch gefestigter und langjährig aktiver Rechtsextremisten mit einem erheblichen Teilnehmerpotenzial dürfte einen spürbaren Effekt auf die Aktionsbereitschaft der rechtsextremistischen Szene insbesondere in der Region aber auch in Sachsen und bundesweit haben.

 

[1] Der 30. Januar gilt Rechtsextremisten als „Tag der Machtergreifung“ Adolf HITLERs vor 85 Jahren.

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